Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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20.03.2007, Wolf von Fabeck:

Deutschland ohne Energieimporte mit Erneuerbaren versorgen

Erfahrungen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien nutzen

Bei der Klimabedrohung handelt es sich um ein Welt-Problem. Die Frage, ob man die fossilen und atomaren Energien durch Erneuerbare Energien ersetzen kann, kann aber trotzdem anhand der deutschen Verhältnisse mit Geltung für die ganze Welt beantwortet werden - aus folgendem Grund: Deutschland ist eines der am höchsten industrialisierten Länder der Erde und hat deshalb einen hohen Energieverbrauch.

Andererseits hat Deutschland aber wegen seiner hohen Besiedlungsdichte nur wenig Flächen zum "Ernten" der Erneuerbaren Energien. Es gibt nur sehr wenige Länder, in denen das Verhältnis der Landfläche zum Energiebedarf noch etwas ungünstiger ist, z.B. die Niederlande und Japan.

Wenn es also gelingt, Deutschland zu 100 Prozent über das ganze Jahr mit Erneuerbaren Energien aus dem eigenen Land zu versorgen, dann wird das in fast allen anderen Ländern der Welt erst recht möglich sein. Damit soll nicht gesagt sein, dass der Energiemix aus Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie dort der gleiche sein wird. Natürlich wird jedes Land eine andere Lösung finden müssen, was aber prinzipiell umso einfacher ist, je mehr Landfläche zur Verfügung steht. In Frankreich oder Polen oder den USA zum Beispiel ist das Verhältnis von Fläche zum Energieverbrauch gleich um ein Mehrfaches günstiger als bei uns.

Wenn wir Menschen davon überzeugen wollen, dass 100 Prozent Erneuerbare Energien möglich sind, genügt es deshalb argumentativ, wenn wir uns nur mit der deutschen Energieversorgung befassen.

Ziehen wir einmal Bilanz

Noch liegt im Strombereich die Atomenergie mit etwa 30 Prozent vor den Erneuerbaren Energien mit etwa 12 Prozent vorne. Energieversorgung besteht aber nicht nur aus Stromversorgung. Auch der Bedarf an Treibstoffen, Raumwärme und Prozesswärme muss gedeckt werden. Dort leistet die Atomenergie überhaupt keinen Beitrag, während Biogas, Pflanzenöl, Biodiesel, Holzpellets, Sonnenkollektoren und vereinzelte geothermische Anlagen bei der nichtelektrischen Energieversorgung einen wachsenden Anteil übernehmen.

Wenn man die nichtelektrischen Energien und die Stromversorgung zusammenzählt, erhält man den gesamten Endenergieverbrauch. Bei dieser vollständigen Betrachtungsweise haben die Erneuerbaren Energien die Atomenergie in Deutschland sogar schon überholt. In der Summe steht es 6,5% zu 6% für die Erneuerbaren und sie sind weiter auf dem Vormarsch.

Für die Atomenergie werden häufig viel höhere Anteile - 12,5%, -genannt. Die ergeben sich, wenn man nicht nur die nutzbare elektrische Energie, sondern auch die nicht-nutzbare, schädliche Abwärme, die nur die Flüsse und die Atmosphäre aufheizt, mitzählt.

Was muss geschehen, um 100 Prozent zu erreichen?

Von 6,5 Prozent ausgehend die 100 Prozent zu erreichen, das ist zwar noch ein riesiger Schritt. Aber eine solche Vervielfachung ist doch gedanklich durchaus vorstellbar. Jeder Bürger hat die Nutzung Erneuerbarer Energien inzwischen persönlich wahrgenommen, sei es als Windpark am Horizont, als Solaranlage beim Nachbarn um die Ecke, als der leichte Frittengeruch aus einem vorüberfahrenden Auto mit Pflanzenöl oder als Stauwehr an einem Flusskraftwerk. Er kann sich eine Vorstellung davon machen, wie es wäre, wenn das alles vervielfacht würde. Würde man den bisherigen Beitrag der Erneuerbaren Energien zur Endenergieversorgung z.B. verzehnfachen, so würden sie nicht mehr 6,5 Prozent wie bisher, sondern 65 Prozent des heutigen Endenergiebedarfs decken. Die noch fehlenden 35 Prozent müsste man dann durch Erhöhung der Energieeffizienz einsparen. Wir hätten dann unser Ziel - eine Umstellung der Energieversorgung zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien - erreicht.

Solarenergie und Windenergie könnten mehr als das Zehnfache leisten

Und welchen Anteil sollen die einzelnen Techniken der Erneuerbaren Energien dabei übernehmen? Eine Verzehnfachung könnte zum Beispiel bedeuten: Zehnmal so viel Windenergie wie heute, zehnmal so viel Solaranlagen, zehnmal so viel Autos, die auf Pflanzenöl umgerüstet werden, zehn mal so viel Wasserkraftwerke wie bisher. Aber bei welchen Techniken der Erneuerbaren Energien ist eine Verzehnfachung überhaupt möglich? Bei den Wasserkraftwerken stoßen wir rasch an eine Potentialgrenze. Eine Verzehnfachung ist überhaupt nicht möglich, weil es in Deutschland gar nicht so viele Flüsse mit geeigneten Gefällstufen gibt. Aber dafür könnten z.B. die Solarenergie und die Windenergie einen erheblich größeren Anteil als nur das Zehnfache des jetzigen Beitrags übernehmen. Außerdem kann eine konsequente Steigerung der Energieeffizienz sogar noch mehr als 35 Prozent des jetzigen Energiebedarfs hinfällig machen. Andererseits muss ein Überschuss an Erneuerbaren Energien bereitgestellt werden, damit die unvermeidbaren Verluste beim Speichern gedeckt werden können. Hier beginnen die Detailfragen.

Vortrag veranschaulicht Potentiale der Erneuerbaren

Um der Phantasie der interessierten Bürger handfeste Nahrung zu geben, hat Dr.-Ing. Eberhard Waffenschmidt eine detaillierte Aufstellung der möglichen Potentiale der verschiedenen Techniken der Erneuerbaren Energien ausgearbeitet. Er unterfüttert die Vorstellungskraft seiner Zuhörer mit praktischen Beispielen. Sein Lösungsvorschlag erhebt ausdrücklich nicht den Anspruch darauf, der einzig mögliche zu sein.

Ziel seines Vortrags ist es, den vollständigen Umstieg auf Erneuerbare Energien in den Bereich des Vorstellbaren zu rücken und damit gleichzeitig erkennbar zu machen, wo die Schwerpunkte der weiteren politischen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklungsarbeit im Bereich der Energieversorgung liegen werden.
Den Vortrag (noch in Entwurfsform) finden Sie unter http://www.sfv.de/artikel/2007/powerpo.htm
Wir werden ihn im nächsten Solarbrief in schriftlicher Form herausgeben.



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