Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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11.03.2010, Susanne Jung:

Die 4. Revolution - Energy Autonomy

Eine Filmempfehlung

Nach dem Film "Eine unbequeme Wahrheit" von Al Gore, in dem die dramatischen, menschengemachten Klimaveränderungen und dessen Ursachen überzeugend und eindringlich dargestellt wurden, bekommen Kinobesucher ab Mitte März "eine erfreuliche Wahrheit" geboten. Denn - der Dokumentarfilm "Die 4. Revolution - Energy Autonomy" von Carl-A. Fechner zeigt eine mitreißende Vision auf: Es gibt eine Lösung! Unsere WELTWEITE Energieversorgung KANN zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen abgedeckt und damit die Hauptursache der globalen Klimaveränderungen - der Ausstoß von CO2 durch die fossile Energiewirtschaft - begraben werden. Nun könnte man schnell einwenden, dass Visionen noch lange nicht durchsetzbar oder gar praktikabel sein müssen. Doch die zweite erfreuliche Wahrheit des Films "Die 4. Revolution" lautet: Diese neue CO2-freie-Energieversorgung ist möglich und bezahlbar! Wir müssen es nur tun!

Wie - das zeigt Fechners Film anhand beispielhafter Projekte und ihrer Vorkämpfer in verschiedenen Ländern der Erde: Eine dänische Region versorgt sich bereits heute vollständig mit Erneuerbaren Energien. Riesige Solarzellenfabriken liefern Solarmodule am laufenden Band. Das energieeffizienteste Bürogebäude steht in Deutschland und produziert mehr Energie, als es verbraucht. Energetisch sanierte Wohngebäude der 70er Jahren werden zu Vorzeigeobjekten einer neuen innerstädtischen Energieplanung. Kleine dezentrale Solarstromanlagen sichern Familien in Mali und Bangladesh über hautnahe Finanzierungsmodelle die Existenz. Speichertechnologien sind auf dem Vormarsch. Alternative Energiekonzepte revolutionieren die Autoindustrie und fördern neue Wege der Mobilität.

Dass all dies nicht nebenbei stattfinden kann, ist klar. Nicht ohne Grund betitelte Carl A. Fechner deshalb seinen Film "Die 4. Revolution". Obwohl - dieser Titel kommt zunächst rätselhaft daher. Eine vierte Revolution? Was waren wohl die anderen drei Revolutionen? Ob diese intellektuelle Herausforderung tausende neugierige Zuschauer in die Kinosäle lockt, ohne vorher eine Filmempfehlung bekommen zu haben, bleibt zu hoffen.

Doch das Wort "Revolution" trifft den Nagel auf den Kopf: "Unser jetziges Energiesystem ist am Ende";, so Hermann Scheer im Film. Es steht eine Umstrukturierung von gewaltigem Ausmaß - eine Revolution - an. Die derzeitige zentrale Energieversorgung muss komplett umgestellt werden. Dabei müssen die Macht- und Kapitalverhältnisse unserer globalen Wirtschaft vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Es wird also nicht nur Gewinner geben. Aber das ist nicht alles: Zwei Milliarden Menschen leben auf dieser Erde noch immer ohne Strom. Energieautonomie auf Basis einer Erneuerbaren-Energiewirtschaft ist die Chance für eine nachhaltige ökonomische Entwicklung, sozialen Frieden und letztendlich globale Gerechtigkeit. Der Titel ist also stimmig: Nach der landwirtschaftlichen, der industriellen und der Informations-Revolution steht nun die vierte Revolution - die Energie-Revolution - an.

Mit dramaturgischen Geschick wird im Film das Spannungsverhältnis zwischen konventioneller Energieversorgung und Erneuerbaren Energien dargestellt. Gegensätzlicher können die Protagonisten im Film auch nicht sein. Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur, Lobbyist der fossilen / atomaren Energiewirtschaft und Berater mehrerer dutzend Regierungen proklamiert seine Ansicht von der Notwendigkeit des bestehenden, zentralen Energiesystems. Argumente für den Neubau von Kohle- und Atomkraftwerken gehen ihm dabei genau so locker von der Zunge wie die Behauptung, die gewaltigen Energiemengen seien in den nächsten Jahrzehnten niemals durch Erneuerbare abzudecken. Wenn Hermann Scheer, Vorsitzender des Weltrats für Erneuerbare Energien und Träger des Alternativen Nobelpreises, dann mit überaus überzeugenderen und praxisnahen Worten zum Gegenangriff ansetzt, fragt sich der Zuschauer schon, wie es der Regisseur Carl A. Fechner fertiggebracht hat, Herrn Fatih Birol in einem solchen Film zum Interview zu bewegen und damit quasi der Lächerlichkeit preiszugeben. Denn Hermann Scheer skizziert den Weg - weg von zentralisierten Strukturen der konventionellen Energieversorger, weg von Öl, Kohle, Gas und Atom - hin zu einer dezentralen Energieversorgung - mit solch einer überragenden Deutlichkeit!

Dies nur zum Schluss: Über Details des Films lässt sich sicher unter Experten streiten. Zum Beispiel könnte die Rolle der Bioenergien in einer zukünftigen Energieversorgung, die zur Schau gestellte deutsche Solarstrom-Freiflächenanlage oder aber die von Chinesen dringend ersehnte Solarstrom-Netzparität durchaus kritisch diskutiert werden. Denn auch beim Aufbau einer neuen Energieversorgung können Irrwege beschritten werden.

Der Film kann jedoch perfekt erreichen, das alte Paradigma der unumstößlichen zentralen Energiewirtschaft zu kippen, Mut zu machen, Kräfte zu bündeln und - vor allem - Bewegung zu erzeugen. Schauen Sie sich den Film an! Es lohnt sich.

Weitere Infos zum Film unter http://www.4-revolution.de/



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