Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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08.10.2020, Sophie Scheller:

Effizienz, Konsistenz, Suffizienz

Der Energiebedarf weltweit steigt in allen Sektoren. Die Unsicherheiten in Förder- oder Transitländern geben heute Anlass zur Sorge. Auch die Klimakrise beschleunigt sich durch die Verbrennung von fossilen Kraftstoffen, die in den meisten Ländern die am stärksten genutzten Energiequellen sind. Zusätzlich ist der Ausbau von Kraftwerken und Netzen langwierig und teuer und schon lang gilt, die beste Kilowattstunde ist die, die nicht verbraucht wurde.

Was bedeuten diese Begriffe?

Effizienz, Konsistenz und Suffizienz sind Konzepte, die zu einer nachhaltigen Energieversorgung beitragen.
Mit Hilfe der Energieeffizienz sollen Materialien und Ressourcen ergiebiger, also effizienter, genutzt werden. Für den gleichen Einsatz von Rohstoffen soll sich ein größerer Nutzen ergeben. Der Wirkungsgrad von Maschinen, Arbeitsschritten oder Prozessen soll verbessert werden. Das Auto soll zum Beispiel mit der gleichen Menge Kraftstoff weiter fahren oder der Kühlschrank mit weniger Energieeinsatz die gleiche Temperatur halten können. Das Ziel von Energieeffizienzmaßnahmen ist also die Reduktion des Energiebedarfs. Sie betrifft die Verminderung von Verlusten in Wandlung, Transport und Speicherung der Energie.

Das Konzept der Konsistenz oder Substitution möchte zur Energieerzeugung naturverträglicher Technologien anregen, um Stoffe und Leistungen von Ökosystemen zu nutzen, ohne diese zu zerstören. Natur und Technik sollen zusammengedacht werden. Ein wichtiges Beispiel in der Stromerzeugung ist der Einsatz von naturverträglichen erneuerbaren Energiequellen, statt fossilen Quellen wie Kohle oder Gas. Dies hätte den Vorteil, dass Materialflüsse und der Energieverbrauch theoretisch nicht gesenkt werden müssten, da sie aus Sicht der Verfechter dieser Idee im Einklang mit der Natur erbracht werden. Dabei geht man davon aus, dass ein hohes Konsumniveau mit Umweltschutz möglich wäre. Leider ist mit dem Stand der heutigen Technik die sogenannte „Konsistenzwirtschaft“ nicht möglich und eine Machbarkeit in Zukunft mehr als fraglich. Wir würden also, um im Beispiel zu bleiben, die gleichen Strecken mit dem Auto fahren, es aber mit nachhaltiger erneuerbarer Energie antreiben.

Die dritte Säule zur nachhaltigen Energiewirtschaft ist die Suffizienz, die im Gegensatz zu den beiden anderen, direkt bei den Konsumierenden ansetzt und nicht auf technische Neuerungen setzt. Durch eine Verringerung der Nachfrage an Gütern soll der Ressourcenverbrauch gesenkt werden. Oft wird die Suffizienz mit Verzicht und einer asketischen Lebensweise in Verbindung gebracht und gilt daher in einem kapitalistischen System als nicht durchsetzbar. Meist geht es jedoch mehr um das rechte Maß der Dinge und den klugen Einsatz von Ressourcen, sodass auch kommende Generationen noch eine gute Lebensgrundlage haben. Im Beispiel würde das bedeuten, gar nicht zu fahren, sondern andere Dinge in der Zeit zu tun.

Rebound Effekt

Doch zurück zur Energieeffizienz. Ein häufiges Phänomen, das mit der Effizienzsteigerung zu beobachten ist, ist der sogenannte Rebound Effekt. Potentielle Einsparungen durch effizienter Geräte werden durch einen erhöhten Gebrauch wieder kompensiert. Das Produkt wird durch die höhere Effizienz, also den geringeren Einsatz von Ressourcen günstiger. Dadurch können sich die Konsumierenden aber mehr davon leisten und am Ende wird im schlechtesten Fall durch die höhere Effizienz mehr an Ressourcen verbraucht, als ohne die Steigerung. Im Beispiel würde das ein Auto bedeuten, dass nur noch 3 statt 6 Liter Benzin auf 100 Km verbraucht, aber mit dem eingesparten Geld für den geringeren Benzinbedarf könnten wir es uns leisten doppelt so viel zu fahren und der positive Effekt wäre aufgehoben.

Darüber hinaus gibt es auch noch den indirekten Rebound-Effekt. Das Geld, dass über ein effizienteres Produkt eingespart wird, wird dann für anderes genutzt, das zum Beispiel noch einen viel ungünstigeren Ressourceneinsatz hat. Die Einsparungen durch die Effizienzsteigerung werden dann in einem anderen Bereich vielleicht sogar überkompensiert. Das würde also bedeuten mit dem sparsameren Auto gleich viel zu fahren und mit dem gesparten Geld aber eine Flugreise zu buchen. Verschiedenen Studien zeigen, dass dieser Effekt in reicheren Ländern weniger stark zu beobachten ist, als in ärmeren. Die Marktsättigung spielt also eine Rolle.

Um das Problem des steigenden Energiekonsums zu lösen, ist das Konzept der Suffizienz also am vielversprechendsten. Bisher wurde vor allem durch Appelle versucht, die Menschen zum „Stromsparen“ zu bewegen, Energiespar-Tipps findet man überall. Richtig erfolgreich waren sie jedoch nur eingeschränkt. Andere Konzepte müssen also erarbeitet und umgesetzt werden, denn das stetige Wachstum der letzten Jahrzehnte ist nicht länger tragbar.

Wirksame Anreize zum Stromsparen schaffen - Energiesteuer

Die Frage ist nun also, wie können Verbraucher*innen dazu bewegt werden, wirklich ihren Stromkonsum zu reduzieren.
Das Konzept des SFV sieht eine Energiesteuer vor, nach dem nicht mehr die Zahl der Angestellten über die Höhe der zu bezahlenden Steuern entscheidet, sondern die verwendete Energie. Dieses Konzept bietet verschiedene Vorteile:

• Hohe Personalkosten, die sich vor allem aus vielen Abgaben der Arbeitgeber ableiten, könnten durch eine Energiesteuer substituiert werden. Alu-Schmelzen, Raffinerien, die Großchemie und viele andere sind sehr energieintensiv, bieten aber kaum noch Arbeitsplätze, da diese immer mehr automatisiert werden können. Auf der anderen Seite stehen viele personalintensive Sparten, wie Lehre vom Kindergarten bis zur Universität, Gesundheit in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeheimen oder dem Handwerk. Sie leiden zurzeit stark unter hohen Sozialabgaben, was zu schlechterer Bezahlung der Angestellten und dann zu Personalmangel führt. Eine Energiesteuer würde also die energieintensiven Unternehmen, mit wenigen Arbeitsplätzen stärker besteuern und das Geld dann wiederum den arbeitsintensiven Unternehmen zugutekommen lassen, die weniger Abgaben zahlen müssen und damit mehr Geld zur Verfügung haben, um ihr Personal besser zu bezahlen.

• Ein weiterer Vorteil der Energiesteuer wären die gestiegenen Produktionskosten, die den Produkten wieder ihren tatsächlichen Wert zukommen lassen. Wird der Neukauf teurer und die Reparatur durch gesunkene Personalkosten billiger, würde das zu einer höheren Wertschätzung der Produkte führen, die dann nicht beim kleinsten Schaden weg geworfen werden.

• Auch die Transportkosten für Waren würden steigen, was zu mehr Regionalität führen könnte, da die Produkte aus dem Inland oder der Region dann um einiges günstiger sind, als die mit langen Transportwegen.

Insgesamt lassen sich so Anreize zur Reduktion des Energieverbrauchs schaffen. Effizienzmaßnahmen lohnen sich und Suffizienz wird nicht zum Verzicht, sondern zeigt das rechte Maß der Dinge, die gebraucht werden. Der gesamte Artikel und eine ausführliche Beschreibung des Konzepts gibt es hier: http://sfv.de/lokal/mails/wvf/umsteue2.htm

Wirksame Anreize zum Stromsparen schaffen – Demand Side Management

Eine weitere Strategie zur Reduktion und Optimierung des Energiebedarfs ist das so genannte Demand Side Management, zu Deutsch Lastmanagement. Es geht darum, den Energiebedarf in Haushalten und Industrie flexibel zu gestalten und damit den fluktuierenden erneuerbaren Energien anzupassen. Das kann zum Beispiel durch variierende Strompreise geschehen, die hoch sind, wenn wenig Strom erzeugt wird und niedrig sind, wenn das Angebot hoch ist und zum Beispiel der Wind stark weht und die Sonne scheint. Unternehmen mit flexiblen Produktionsprozessen können sich dann an den Strompreisen orientieren und die Produktion anpassen. Dadurch kann sich eine Firma einiges an Stromkosten sparen. Darüber hinaus ist es auch möglich, die flexiblen Lasten als solche zum Beispiel am Regelleistungsmarkt zu verkaufen. Durch die Digitalisierung der Stromzähler und Geräte können auch Haushalte in Zukunft am Demand Side Management teilnehmen und Lasten wie Elektroautos oder die Waschmaschine dem Strompreis und Angebot anpassen. Energie lässt sich so effizienter nutzen, da Erzeugung und Konsum zeitlich und räumlich nahe beieinander liegen. Da der Strom verbraucht wird, wo und wann er erzeugt wird, braucht es weniger Netze und Speicher, was auch die Verluste in Transport und Speicherung reduziert. Allerdings müssen zur Realisierung viele Daten gesammelt und ausgewertet werden, was aus Sicher des Datenschutzes noch einige Probleme mit sich bringt.


Quellen:
https://www.relaio.de/wissen/suffizienz-konsistenz-und-effizienz-drei-wege-zu-mehr-nachhaltigkeit/
https://energycentral.com/c/ee/rebound-effect-and-energy-efficiency
http://sfv.de/lokal/mails/wvf/umsteue2.htm
https://www.bmwi-energiewende.de/EWD/Redaktion/Newsletter/2017/01/Meldung/direkt-erklaert.html



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