Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

[ Artikel diskutieren und weiterverbreiten? Infos zum Copyright ]
[ Druckversion dieses Artikels ]

vom 03.10.2016, aktualisiert am 13.10.2016, Wolf von Fabeck:

Gefährden Freihandelsabkommen nur die Energiewende?

Freihandel - weniger Zölle - mehr Schiffs- und Flugverkehr- mehr klimaschädliche Emissionen!

Die hier begonnene Gedankenkette lässt sich leicht fortsetzen mit
mehr Profit - mehr Einflussnahme der Konzerne auf die politischen Entscheidungen - weiteres Zurückdrängen der Erneuerbaren Energien.

Weitere Gedankenketten lassen sich anschließen, z.B.:
billigere Energie, - Herstellung von Grundstoffen wird billiger - Raubbau an den Bodenschätzen - Ausplünderung der Erde.

Wie eine Krake mit zahllosen Fangarmen werden die Freihandelsabkommen nahezu das gesamte gesellschaftliche Leben umklammern und durchdringen.

Offizielles Ziel der Freihandelsabkommen ist die Erleichterung des Welthandels und die Mehrung des Wohlstandes. Um wessen Wohlstand es geht, bleibt allerdings offen.

Die Verfechter des freien Welthandels sehen den Austausch von Waren und Dienstleistungen als Möglichkeit zur Arbeits- und Aufgabenteilung. Jeder kann sich mit den Aufgaben befassen, die er am besten beherrscht. Konzerne, die ein Produkt besonders günstig herstellen können, haben so die Möglichkeit, eine weltweite Monopolstellung zu erlangen. Der freie - nahezu kostenlose - Welthandel ohne Zollschranken erlaubt den Konzernen dann, ihre in Massenproduktion hergestellten Produkte in den Entwicklungsländern sogar billiger anzubieten als die dort von einheimischen Produzenten in kleineren Produktionseinheiten hergestellten gleichartigen Produkte. Gegenüber tiefgefrorenen billigen Hähnchen-Schenkeln aus deutscher Massenproduktion haben die Geflügelzüchter in den Entwicklungsländern keine Wettbewerbschance. Das Unternehmen Wiesenhof in Visbek z.B. hat einen Jahresumsatz von über 2 Milliarden Euro.

Eine andere Auswirkung des Freihandels:
Die in den Forschungseinrichtungen der Industriestaaten entwickelten besseren Explorationsverfahren erlauben den finanzkräftigen Konzernen der Industrieländer die Erkundung bisher unbekannter Lagerstätten in Entwicklungsländern, den günstigen Grunderwerb von Grundbesitzern, die nicht ahnen, welche Schätze unter ihrem Boden verborgen liegen und die Gewinnung der dort bis dahin noch unbekannten Bodenschätze durch einheimische Arbeitskräfte zu Hungerlöhnen und unter Umgehung der in entwickelten Gesellschaften üblichen Arbeitsschutz- und Umgebungsschutzauflagen. So führen die Zollfreiheit und die billigen Transportkosten dazu, dass die Industrieländer hochwertige Bodenschätze nahezu kostenlos erhalten, die sie dann mit klimaschädlich hergestelltem Billigstrom in Fabrikanlagen der Grundstoffindustrie in die für die automatisierte Massenproduktion begehrten Grundstoffe verwandeln lassen.
Der unbeschränkte Warenverkehr lässt den Unternehmern die freie Wahl, in welchem Land sie die einzelnen Stufen ihrer Fertigungskette unterbringen. Sie können sich für jede einzelne Stufe jeweils das Land aussuchen, welches die nachlässigste Kinderschutz-, Gesundheitsschutz-, Arbeitsschutz-, Umweltschutz-, Klimaschutz- oder sonstigen Auflagen hat. Jeder Rückschritt in den Menschenrechten bedeutet für die Unternehmen eine Erhöhung ihrer Gewinnspanne. Arbeitslosigkeit und mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen führen zu Kinderarbeit und sklavenartigen Beschäftigungsverhältnissen.

Es gibt eine wirkliche „ökologische Schuld“ – besonders zwischen dem Norden und dem Süden – im Zusammenhang mit Ungleichgewichten im Handel mahnte auch Papst Franziskus in seiner weit über die katholische Kirche hinaus bekannt gewordenen enzyklika laudato si.

Auszug aus enzyklika laudato si - Volltext (deutsch)

51. Die soziale Ungerechtigkeit geht nicht nur Einzelne an, sondern ganze Länder, und zwingt dazu, an eine Ethik der internationalen Beziehungen zu denken. Denn es gibt eine wirkliche „ökologische Schuld“ – besonders zwischen dem Norden und dem Süden – im Zusammenhang mit Ungleichgewichten im Handel und deren Konsequenzen im ökologischen Bereich wie auch mit dem im Laufe der Geschichte von einigen Ländern praktizierten unproportionierten Verbrauch der natürlichen Ressourcen. Der Export einiger Rohstoffe, um die Märkte im industrialisierten Norden zu befriedigen, hat örtliche Schäden verursacht wie die Quecksilbervergiftung in den Goldminen oder die Vergiftung mit Schwefeldioxid im Bergbau zur Kupfergewinnung. Besonders muss man der Tatsache Rechnung tragen, dass der Umweltbereich des gesamten Planeten zur „Entsorgung“ gasförmiger Abfälle gebraucht wird, die sich im Laufe von zwei Jahrhunderten angesammelt und eine Situation geschaffen haben, die nunmehr alle Länder der Welt in Mitleidenschaft zieht. Die Erwärmung, die durch den enormen Konsum einiger reicher Länder verursacht wird, hat Auswirkungen in den ärmsten Zonen der Erde, besonders in Afrika, wo der Temperaturanstieg vereint mit der Dürre verheerende Folgen für den Ertrag des Ackerbaus hat. Dazu kommen die Schäden, die durch die Exportierung fester und flüssiger toxischer Abfälle in die Entwicklungsländer und durch die umweltschädigende Aktivität von Unternehmen verursacht werden, die in den weniger entwickelten Ländern tun, was sie in den Ländern, die ihnen das Kapital bringen, nicht tun können: „Wir stellen fest, dass es häufig multinationale Unternehmen sind, die so handeln und hier tun, was ihnen in den entwickelten Ländern bzw. in der sogenannten Ersten Welt nicht erlaubt ist. Im Allgemeinen bleiben bei der Einstellung ihrer Aktivitäten und ihrem Rückzug große Schulden gegenüber Mensch und Umwelt zurück wie Arbeitslosigkeit, Dörfer ohne Leben, Erschöpfung einiger natürlicher Reserven, Entwaldung, Verarmung der örtlichen Landwirtschaft und Viehzucht, Krater, eingeebnete Hügel, verseuchte Flüsse und einige wenige soziale Werke, die nicht mehr unterhalten werden können.“


Eine konkrete Gefahr für den Klimawandels ergibt sich aus den hohen CO2-Emissionen der Schiffs- und Flugzeug-Treibstoffe. Siehe dazu auch das Editorial von Dr. Rüdiger Haude zum Solarbrief 3/2016: Verträglicher Verkehr für einen begrenzten Planeten

Inzwischen vermehren sich Hinweise auf eine beunruhigende Klimabelastung durch die Bildung der Flugzeug-Kondensstreifen, die von Mal zu Mal weiter zunehmen und teilweise bereits große Teile des Himmels bestimmen.

Die derzeit zur Diskussion stehenden Freihandelsabkommen wie CETA, TTIP und TISA gefährden alle Maßnahmen zur Zukunftsvorsorge. Jede Maßnahme, die den Gewinn der bestehenden Konzerne vermindern könnte, kann durch Schiedsgerichte rückgängig gemacht werden. Die Energiekonzerne könnten nach einem CETA- oder TTIP-Vertragsabschluss unsere guten Vorschläge erfolgreich zurückweisen. Deswegen nennen wir an erster Stelle der "vergifteten Vorschläge" die Freihandelsabkommen.

Karikatur von Gerhard Mester
Mester Haie

Zur Vergrößerung in das Bild klicken - anschließend die Vergrößerung löschen



zum Seitenanfang


Dieser Artikel wurde einsortiert unter ....