Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

Dieser Beitrag ist zeitlich überholt!

[ Artikel diskutieren und weiterverbreiten? Infos zum Copyright ]
[ Druckversion dieses Artikels ]

25.04.2007, Prof. Ernst Schrimpff:

Krebsrisiko durch Treibstoff Pflanzenöl?

Stellungnahme des Bundesverbandes Pflanzenöle e.V. (BVP) zur angeblich erhöhten Mutagenität von Rapsöl-Kraftstoff

(Reaktion auf TV-Sendungen ARD-Panorama am 29.6.06 und ARD-Plus-Minus am 3.4.07, sowie Pressemitteiliung 0603 des BGFA der Universität Bochum vom Dezember 2006)

In den oben genannten TV-Sendungen und in der Pressemitteilung wurden Ergebnisse von Abgasmessungen vorgestellt und einseitig interpretiert, die mit Rapsöl-Kraftstoff undefinierter Qualität in einem nicht umgerüsteten Dieselmotor erzielt worden sind. Die Abgas-Untersuchungen wurden von Dr. Bünger (Universität Bochum), Prof. Krahl (FH Coburg) und Prof. Munack (FAL Braunschweig) offenbar im Auftrag von VW, Daimler-Chrysler und Shell (die bekanntermaßen für BtL sind) vorgenommen und sollen u.a. eine 10- bis 30-fach höhere Mutagenität (Krebsrisiko) von Rapsöl als Kraftstoff gegenüber Diesel und Biodiesel erbracht haben.

Nach sorgfältigen Rückfragen und Recherchen gibt der BVP nun folgende Tatsachen bekannt:

  1. Es wurden drei Versuche an nur einem Diesel Lkw-Motor (Mercedes Benz OM 906 LA, 205 kW) durchgeführt.
  2. Der genannte Motor war nicht für den Treibstoff Pflanzenöl umgerüstet bzw. in seinen Einstellungen nicht auf den Rapsöl-Kraftstoff optimal angepasst worden.
  3. Die Qualität der verwendeten Rapsöl-Kraftstoffe (sowohl kalt gepresst, als auch raffiniert) war nicht im voraus analysiert worden.
  4. Die Untersuchungsergebnisse wurden nur mit Hilfe des AMES-Testes erzielt, der üblicherweise qualitative, bestenfalls halbquantitative Aussagen erlaubt.
  5. Die Ergebnisse wurden gut ein halbes Jahr vor einer wissenschaftlichen Veröffentlichung und Diskussion den TV-Medien vorbehaltlos zur Verfügung gestellt.

Der Bundesverband Pflanzenöle e.V. kommentiert diese Tatsachen wie folgt:

Zu 1.: Es ist wissenschaftlich völlig unüblich, sich auf Messergebnisse von nur drei Versuchen eines einzigen Versuchsmotors (auf dem Markt gibt es viele und sehr verschiedene!) zu verlassen (Irrtumswahrscheinlichkeit ist sehr groß). Messwieder holungen an verschiedenen Motoren sind zwingend erforderlich, um eine verlässliche und auch belastbare Aussage machen zu können.

Zu 2.: Der Dieselmotor wurde fast 100 Jahre lang entwickelt und subtil dem Dieseltreibstoff und seinen Eigenschaften angepasst. Die Verbrennung von Dieseltreibstoff in Dieselmotoren kann daher grundsätzlich als vollständig und optimal gelten. Wird ein solcher Motor nun mit Rapsöl-Kraftstoff (der völlig andere physikalische und chemische Eigenschaften als der Diesel-Treibstoff hat) ohne vorherige Umrüstung und Anpassung gefahren, ist eine unvollständige Verbrennung des Treibstoffes geradezu vorprogrammiert. Bei jeder unvollständigen Verbrennung (auch Speiseöl in einer Bratpfanne!) entstehen Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige (z.B. Benzo-a-pyren) als hoch kanzerogen (krebsauslösend) gelten.

Zu 3.: Es entspricht nicht der wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht, Treibstoffe zu verwenden, von denen die Reinheit und Qualität nicht genau bekannt ist. Unreine Treibstoffe werden prinzipiell im Motorraum unsauberer verbrennen, als reine, und von daher auch schlechtere Abgaswerte liefern.

Zu 4.: Eine belastbare quantitative Aussage ist mit dem AMES-Test nicht möglich. Darüber hinaus ist eine Interpretation dieser an Salmonellen ermittelten Messwerte in der Weise, dass auch auf eine 10- bis 30-fache Mutagenität für die Menschen zu schließen wäre, wissenschaftlich höchst fragwürdig.

Zu 5.: Es ist in höchstem Maße unseriös und unverantwortlich, mit Untersuchungsergebnissen – und seien sie noch so alarmierend – vorzeitig in die nichtwissenschaftliche Öffentlichkeit zu gehen. Es gehört zu einer Tradition von solider und ernst zu nehmender Wissenschaft, erzielte Ergebnisse – besonders wenn deren Bekanntmachung von so großer Tragweite ist (Verunsicherung nicht nur der Pflanzenöl-Fahrer, sondern Schädigung einer ganzen aufstrebenden Branche!) – erst in wissenschaftlichen Fachkreisen zur Diskussion zu stellen und erst danach – wenn sie als korrekt und plausibel erscheinen – der Allgemeinheit bekannt zu geben.

Aufgrund der dargestellten Tatsachen, und sofern die Dieselmotore fachgerecht für die Nutzung mit Pflanzenöl-Treibstoff umgerüstet sowie die Qualitätsnormen für den Treibstoff eingehalten wurden, geht der Bundesverband Pflanzenöle davon aus, dass die von den vorgenannten drei Instituten aufgestellte und von den öffentlichen Medien verbreitete Behauptung, Rapsölkraftstoff sei durch seine Verbrennung in Motoren für die Menschen um 10- bis 30-fach krebserregender als die Kraftstoffe Diesel und Biodiesel, haltlos ist.

Freising, den 10.4.2007

Prof. Dr. E. Schrimpff
Vorsitzender des Bundesverband Pflanzenöl e.V.



zum Seitenanfang


Dieser Artikel wurde einsortiert unter ....