Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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10.04.2007, Wolf von Fabeck:

Physiklehrbücher mit Falschbehauptungen gegen die Energiewende

Drei Zitate aus Physikbüchern für den Schulunterricht mit Richtigstellung

1. "Bei der Nutzung von Sonnen und Windenergie spart man Brennstoff, jedoch keine Kraftwerke"
Dorn-Bader, Physik in einem Band, Seite 607 Schroedel Hannover 2000. Nachdruck aus dem Jahr 2005

Richtigstellung durch den SFV:
Hier wird den Schülern eine verengte Sichtweise suggeriert. Tatsächlich will niemand nur mit Sonnen- und Windenergie alleine die Stromversorgung durchführen. Benötigt wird ein Mix aller Erneuerbaren Energien einschließlich Geothermie, Biomasse und Wasserkraft, sowie ein System dezentraler Stromspeicher, z.B. Na/S-Batterien, die den Stromüberschuss sonniger und windiger Stunden für Stunden mit geringer Sonnenstrahlung und geringem Windangebot verfügbar machen.

2. "Man hat probeweise 'Null-Energie-Häuser' gebaut, die ganz ohne Brennstoff auskommen. Doch ist bei ihnen der Materialaufwand so groß, dass es über 20 Jahre dauert, bis die zur Herstellung im Übermaß verbrauchte Energie durch die Energieeinsparung im laufenden Betrieb wieder 'zurückgezahlt' ist."
Dorn-Bader, Physik Sek II, Seite 176 Schroedel Hannover 2000. Nachdruck aus dem Jahr 2005

Richtigstellung durch den SFV:
Häuser haben Lebensdauern in der Größenordnung von 100 Jahren. Ohne die Wärmedämmung würde das o.g. Haus während seiner Lebendsdauer etwa fünfmal so viel Energie benötigen wie mit Wärmedämmung. Die herabsetzende Wertung, dass bei der Herstellung Energie im 'Übermaß' verbraucht worden sei, ist somit fehl am Platz. Im übrigen fehlt jeder Hinweis darauf, wodurch der angebliche energetische Mehraufwand verursacht wird, so dass weder eine Überpüfung der Aussage möglich ist, noch die Schüler erkennen können, wo man ggf. weitere Verbesserungen vornehmen könnte.

3. "Der Wirkungsgrad (eta = entnommene elektrische Energie / auftreffende Sonnenenergie) wurde im Labor auf ca 30% getrieben und liegt bei käuflichen Anordnungen unter 15%. 1 qm Zellfläche könnte in unseren Breiten während einer Lebenszeit von 25 Jahren 2500 kWh liefern (kostenlos, wenn man von der wegen starker Schwankungen der Sonnenstrahlung nötigen Energiespeicherung absieht). Man hofft, bei Großfertigung die zum Herstellen von 1 qm nötige Primärenergie auf etwa 600 kWh senken zu können (heute 3000 kWh). Der sogenannte Erntefaktor dieser äußerst umweltfreundlichen Energiegewinnung läge dann bei Epsilon = 2500 / 600 = 4 (wie bei Dampf- und Kernkraftwerken; bei Windenergieanlagen ist Epsilon = 8, bei Wasserkraft Epsilon = 15). In Deutschland stehen über 100 Quadratkilometer Dachflächen bereit zur Installation von Solarbatterien. Sie würden pro Jahr ungefähr 10 hoch 10 kWh elektrische Energie liefern (Alle Haushalte in Deutschland nutzen 12 mal 10 hoch 10 kWh elektrische Energie.)..."
Dorn-Bader, Physik 12/13, Seite 301 Schroedel Hannover 2000. Nachdruck aus dem Jahr 2005

Richtigstellung durch den SFV:

  • Der Wirkungsgrad käuflicher Solarmodule liegt je nach Fabrikat nicht unter, sondern auch deutlich über 15 % z.B. bei 17 %.
  • Die Behauptung, wegen der stark schwankenden Sonnenstrahlung brauchten Solarstromanlagen einen Speicher, trifft nur bei "Inselbetrieb" zu. Derzeit gibt es in Deutschland etwa eine halbe Million von Solarstromanlagen, die ohne Energiespeicher den Strom ins Netz einspeisen. Dort herrscht um die Mittagszeit ein erhöhter Strombedarf, der sich gerade an sonnigen Tagen noch erhöht wegen der zunehmenden Zahl an elektrisch betriebenen Klimaanlagen.
  • Die Behauptung, der Primärenergieaufwand zur Herstellung von 1 qm Zellenfläche läge heute bei 3000 kWh, ist längst überholt.
  • Solaranlagen hatten bereits 5 Jahre vor Drucklegung einen Erntefaktor zwischen 3 bis 7. Dieser Erntefaktor hat sich seit damals infolge Verwendung dünnerer Solarzellen weiter verbessert. Das bedeutet, dass sie die zu ihrer Herstellung benötigte Energie im Lauf ihrer Lebensdauer von 20 Jahren etwa sieben mal wieder hereinholen. Sie bezüglich ihres Erntefaktors mit 'Dampf- und Kernkraftwerken' - gemeint sind wohl Kohle- und Kernkraftwerke - zu vergleichen, ist unsinnig, weil für jede Kilowattstunde, die in einem Kohle- oder Kernkraftwerk erzeugt wird, die zwei bis dreifache Energiemenge als Primärenergie zugeführt werden muss. Kohle und Kernkraftwerke können also die "verbrauchte" Energie niemals wieder reinholen, "zurückzahlen" oder "amortisieren".

a) Der Vergleich ist aus physikalischer Sicht völlig unsinnig, weil beim Kohle und Kernkraftwerk die Entropie auf der Erde vergrößert wird, während sie beim Solarkraftwerk auf der Sonne entstanden ist.
b) Der Vergleich ist schließlich auch aus ökologischer Sicht unsinnig, weil Kohle erschöpflich ist, Solarenergie nach menschlichen Maßstäben jedoch unerschöpflich.

  • Die Abschätzung, in Deutschland stünden über 100 Quadratkilometer Dächer bereit zur Aufnahme von Solarbatterien - gemeint sind wohl Solarstromanlagen - ist um mehr als eine Zehnerpotenz zu gering. Außerdem fehlt die Erwähnung von Solaranlagen an Hausfassaden und Lärmschutzwänden, die ebenfalls zur Aufnahme von Solarzellen bereit sind.

Der SFV empfiehlt den Schülern der höheren Klassen, gegen solche Art der Fehlinformation ausdrücklich zu protestieren. Wenn Sie genauere Informationen benötigen, fragen Sie bei uns nach.



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