Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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01.09.2009, Wolf von Fabeck:

Rückgang der kleinen Gebäudeanlagen setzt sich fort.

Die Werte für den Zubau von Solarstromanlagen im ersten Halbjahr 2009 liegen nunmehr vor. Nach einer ersten vorläufigen Übersicht der Bundesnetzagentur wurden Solarstromanlagen mit einer Leistung von 518 Megawatt angemeldet. Das ist etwa ein Drittel der Menge des vorangegangenen Jahres 2008. Von einem Boom kann somit bisher nicht gesprochen werden.

Beunruhigend ist besonders die Tatsache, dass sich der schon seit Jahren zu beobachtende Rückgang bei den kleinen Gebäudeanlagen fortsetzt. Unter kleinen Gebäudeanlagen verstehen wir Solarstromanlagen, die auf Reihenhäusern und kleineren Einfamilienhäusern Platz finden, also Anlagen bis 10 kW.

Zubau von kleinen Hausdachanlagen Januar bis Juni 2009
 
Es gibt noch Millionen von Einfamilienhäusern, auf denen Anlagen unter 10 kW errichtet werden könnten! Aber für diese Anlagengröße interessieren sich derzeit nicht viele Installateure. Die Gewinnspanne ist im Vergleich zum Aquisitionsaufwand zu gering. Und Großinvestoren sind erst recht nicht an solchen "peanuts" interessiert. Die Solarenergie als Beitrag des kleinen Mannes zur Energiewende stirbt aus.

Eine undifferenzierte Bestimmung im EEG 2009

Im EEG2009 ist eine Notbremse eingebaut, die einen allzu starken Einbruch beim Ausbau der Photovoltaik verhindern soll. Nach § 20 Absatz 2a Teil b) EEG 2009 verringern sich die Degressionssätze um 1,0 Prozentpunkte, sobald die Leistung der bei der Bundesnetzagentur zum 30. September des Vorjahres innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate nach § 16 Abs. 2 Satz 2 registrierten Anlagen
aa) im Jahr 2009: 1000 Megawatt,
bb) im Jahr 2010: 1100 Megawatt und
cc) im Jahr 2011: 1200 Megawatt
unterschreitet.
Vielen Angehörigen der PV-Branche ist nicht bewusst, dass diese Notbremse bei den kleinen Gebäudeanlagen nicht greifen kann, weil die Bestimmung nicht zwischen Klein- und Großanlagen, und auch nicht zwischen Gebäudeanlagen und Freiflächenanlagen differenziert. Selbst ein völliger Rückgang bei den Kleinanlagen würde zu keiner Verminderung der Degression führen, solange der Zubau an Großanlagen oberhalb der hier aufgeführten Untergrenzen bleibt.

Gespensterdiskussion

Was uns freilich bis ins Innerste empört und betroffen macht, ist die Tatsache, dass wir hier eine Art Gespensterdiskussion um den Umsatz der PV-Branche führen müssen. Wir alle wissen, dass es um wichtigere Dinge geht, dass der Klimawandel immer schneller abläuft und dass seine Folgen schlimmer sein werden als die Folgen beider Weltkriege. Aber während der klimazerstörenden Automobiltechnik die Milliarden nur so hinterher geworfen werden, müssen wir um jeden Cent betteln, mit dem der Ausbau der Sonnenenergie beschleunigt werden könnte. Insofern stellt die anfangs erläuterte Verschärfung der Degression für Gebäudeanlagen nicht nur eine gesetzliche Ungereimtheit dar, sondern ist eine verantwortungslose Verzögerung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien - ein himmelschreiender Skandal!



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