Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 26.10.2010, aktualisiert am 18.02.2011, Alfons Schulte:

Sicherheitspolitische Risiken durch absehbare Erdölverknappung

Unsere Zukunft ist ohne eine grundlegende Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien und eine Änderung der Versorgungsstruktur sehr unsicher

Eine kürzlich vom Zentrum für Transformation der Bundeswehr1 erstellte, aber offiziell noch nicht publizierte brisante Studie 2 mit dem Titel „Peak Oil – Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen“ führt uns die wahrscheinlich drastischen Auswirkungen einer Verknappung unseres wichtigsten Energierohstoffs vor Augen.

Die Studie Peak Oil - Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen als Teil der Gesamtstudie "Streitkräfte, Fähigkeiten und Technologien im 21. Jahrhundert (SFT 21-2040)" steht seit Februar 2011 auf den Internetseiten des Zentrums für Transformation der Bundeswehr als pdf-download zur Verfügung .

Zusammenfassung

Diese als sicherheitspolitische Analyse bezeichnete Teilstudie steht im Kontext anderer Bundeswehrstudien, die das Zentrum für Transformation für die Bundeswehr erstellt. Das uns vorliegende Dokument ist aber nicht nur als Analysepapier mit Handlungsempfehlungen für die Bundeswehr zu verstehen, sondern behandelt in sehr ausführlicher Weise die allgemeinen Auswirkungen einer Verknappung von Erdöl auf die Weltwirtschaft und besonders auf die Zivilgesellschaft in Deutschland. Aus Sicht der Bundeswehr stehen dabei die sicherheitspolitischen Folgen einer Erdölverknappung innerhalb des Zeitraums der nächsten 30 Jahre im Fokus. Diese können aber – so das Ergebnis – so gravierend sein, dass selbst die Stabilität unserer westlichen, demokratischen Gesellschaft in Zukunft gefährdet wird.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Verknappung von Erdöl nach dem sog. Peak Oil3 zu einem „systemischen Risiko“ führen wird, da durch die vielseitige Verwendung des Erdöls als Energieträger und als chemischer Grundstoff nahezu jedes gesellschaftliche Subsystem von seiner Verknappung mittelbar oder unmittelbar betroffen sei. Zudem würde die Konzentration der verbliebenen Erdöl-Lagerstätten mit einer weitreichenden Verschiebung globaler Machtstrukturen einhergehen, verbunden mit einem Bedeutungsverlust der westlichen Industriestaaten, insbesondere auch der Europäischen Union (EU) und Deutschlands.

Die Autoren vom Dezernat Zukunftsanalyse stellen die Existenz eines Peak Oil generell nicht in Frage. Sie gehen in ihrer Analyse von einer gewissen Wahrscheinlichkeit aus, dass dieser bereits um das Jahr 2010 liegen kann. Die dramatischen Auswirkungen des Peak Oil werden ihrer Einschätzung nach mit einer Zeitverzögerung von 15 bis 30 Jahren erwartet. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass „es angesichts der langen Zeiträume, die Anpassungen im Energiesektor bis hin zu einer Energiewende in Anspruch nehmen, bereits heute notwendig ist, (1) das Ausmaß der Abhängigkeit von Erdöl umfassend zu analysieren, (2) auf dieser Grundlage mögliche Risiken rechtzeitig zu erkennen und (3) Alternativen für die Nutzung fossilen Öls zu etablieren.“

Im Sinne einer frühzeitigen Erkennung der Risiken sollen so Entscheidungsträger sensibilisiert werden, die sicherheitspolitischen Auswirkungen und mögliche gesamtgesellschaftliche Kaskaden- oder sogar Lawineneffekte zu bedenken und rechtzeitig Vorsorge zu treffen: Hin zu einer Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien (die Studie spricht hier auch vom Begriff der Energiewende) und der Herstellung einer robusteren, weniger krisenanfälligen Struktur.

Bedeutung des Erdöls für die Weltwirtschaft

Etwa 95 Prozent aller industriell gefertigten Produkte hängen von der Verfügbarkeit von Erdöl direkt oder indirekt ab. Da der Transportsektor (zu Lande, zu Wasser und in der Luft) praktisch vollständig auf Erdöl angewiesen ist, ist leicht nachvollziehbar, dass das Erdöl eine der grundlegenden „Determinanten der Globalisierung“ darstellt. Eine Verknappung wird damit unmittelbar Auswirkungen auf die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen haben. Neben Machtkonzentrationen bei den verbliebenen Förderländern – so das Ergebnis der Studie – ist 2040 mit einer umfassenden Verschiebung von Machtstrukturen hin zu Nationalstaaten zu rechnen, die ihre Energiewege sichern wollen.

Auf Deutschland bezogen ist somit die Frage nach der Sicherheit der Lieferung unserer wichtigsten Lieferländer zu stellen, allen voran Russland, Norwegen und Großbritannien. Während die Abhängigkeit von der OPEC für Deutschland derzeit sehr gering ist, liefert Russland allein 35 Prozent des gesamten hierzulande verbrauchten Erdöls. Ein mittelfristig zu erwartendes Sinken der Lieferung aus den europäischen Nachbarländern würde den Anteil Russlands noch weiter auf etwa 40 Prozent steigen lassen.

Die Autoren der Studie kommen zu der Einschätzung, dass der „Bericht der Bundesregierung zur Öl- und Gasmarktstrategie“ aus dem Jahr 2008 die Diversifizierung der Energieimporte für Deutschland ähnlich bewertet, jedoch die Auswirkungen eines Peak Oil (vollständig) außer Betracht lässt.

Mögliche Auswirkungen nach dem Peak Oil

Anhand von zwei unterschiedlichen Szenarien bewertet die Studie die möglichen Entwicklungen nach einem globalen Peak Oil. Das erste Szenario basiert auf der Annahme von grundlegend gleichbleibenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Jedoch betonen die Autoren, dass diese Annahme keinesfalls als wahrscheinlich angenommen werden muss. Wenn Kipp-Punkte (sog. „Tipping Points“) übersprungen würden, so seien die Risiken nicht mehr berechenbar, geschweige denn beherrschbar. Letzteres würde selbst die Stabilität unserer Grundordnung ernsthaft in Gefahr bringen.

Szenario 1: Annahme gleichbleibender Grundvoraussetzungen

Im ersten (weniger kritischen) Szenario werden mit zunehmender Verknappung des Erdöls die Marktmechanismen (Preisbildung, Verteilungsoptimierung) durch Energiediplomatie und das Knüpfen bilateraler Beziehungen zwischen Förderund Lieferländern begleitet. Das wird die Abnehmerländer – damit auch die Staaten der EU - zunehmend zueinander in Konkurrenz bringen und neue strategische Bündnisse entstehen lassen. Die großen Schwellenländer (China, Indien) werden an Bedeutung gewinnen, während die westlichen Industriestaaten in Konkurrenz zu diesen einen Bedeutungsverlust erleiden. Prinzipien westlicher Demokratien wie die Einhaltung der Menschenrechte werden den Interessen der Erdölversorgung dabei insoweit untergeordnet, wie die Versorgungssicherheit schwindet und die Preise steigen.

Weiterhin ist davon auszugehen, dass es bei der Sicherung der Energiewege und bei der Konkurrenz in der Erschließung neuer Quellen in internationalen Gewässern zunehmend zu Konflikten4 kommen wird. Unklar bleibt, wie mit den Vorkommen nichtkonventioneller Öllagerstätten5 (z.B. Teere und Sande) umgegangen wird. Diese könnten – weil eine wirtschaftliche Erschließung in Anbetracht der Kosten und der Umweltschäden als nicht sinnvoll erscheint – dennoch als strategische Reserve der Eignerländer verwendet werden.

Eine andere Entwicklung – so die Studie – wird in dem Versuch liegen, Erdöl durch Erdgas zu substituieren. Auch wenn die strategischen Reichweiten von Erdgas allgemein als höher eingeschätzt werden als die bei Erdöl, so ist doch zu berücksichtigen, dass die bedeutenden Vorkommen geographisch größtenteils mit denen der Ölländer korrelieren und der leitungsgebundene Transport in besonderem Maß anfällig ist für Unterbrechungen und Störungen (z.B. Erpressungsmaßnahmen von Durchleitungsstaaten oder durch terroristische Anschläge).

Als weitere Alternative wird in der Studie ein verstärkter Ausbau der Kernenergienutzung behandelt. Die Risiken von Unfällen und einer nuklearen Proliferation6 würden aber – neben der immer noch ungelösten Endlagerfrage – in erheblichem Umfang zunehmen. In besonderem Maße gelte dies für die Nutzung der Kernenergie in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass im Kontext einer verschärften Energieverknappung die Maßnahmen zur Verhinderung der nuklearen Proliferation zunehmend strategischen Zugeständnissen „geopfert“ werden könnten, mit gravierenden Auswirkungen für die allgemeine Sicherheitslage.

Außerdem wird in der Studie eine verstärkte Nutzung von Bioenergie und Biorohstoffen (anstelle von Erdöl) behandelt. Hierbei ist von einer zunehmenden Flächenkonkurrenz mit der Nahrungs- und Futtermittelerzeugung auszugehen, gefolgt von steigenden und stark schwankenden Lebensmittel- und Futtermittelpreisen. Als Ergebnis befürchten die Autoren<i> „verschärfte Auseinandersetzungen um die strategische Ressource Land“</i>, insbesondere in südlichen Ländern. Im Gefolge einer verstärkten, nicht nachhaltigen Nutzung der Böden werde zudem der Klimawandel beschleunigt und der Wassermangel in bestimmten Regionen verschärft, mit ökologischen und sozialen Krisen als Folgeerscheinung.

Ferner gibt die Studie an, dass als Folge des Peak Oil der Ausbau der Erneuerbaren Energien schnell voranschreitet und im Streben nach einer größtmöglichen Autarkie großflächige Energieregionen und Verbundprojekte vorteilhaft seien (u.a. auch DESERTEC7). Diese großflächigen Zusammenschlüsse könnten jedoch nur entstehen, wenn langfristig stabile politische Verhältnisse zu erwarten seien.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass sich politische und wirtschaftliche Krisen im Zuge der Erdölverknappung und -verteuerung einstellen würden. Besonders der Individual- und Güterverkehr würde davon massiv betroffen sein, was unmittelbare Folgen auf die globale Arbeitsteilung hätte. Als weitere Folge sei auch die Nahrungsmittelversorgung nicht mehr sichergestellt, Vorboten derartiger Entwicklungen seien schon in der sogenannte „Tortilla-Krise“8 2007 in Mexiko ausgemacht worden. In der größtenteils widerstrebenden Zielsetzung von zusätzlicher lokaler Erzeugung von Energierohstoffen und einer erdölbedingten dramatischen Verteuerung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sei außerdem mit abnehmenden Ernteerträgen und mit Versorgungskrisen zu rechnen.

Bedingt durch die vorgenannten Entwicklungen sehen die Autoren gerade für das sehr stark exportabhängige Deutschland eine Zunahme der Arbeitslosigkeit voraus, die sich als „Transformationsarbeitslosigkeit“ verfestigen und zu einem großen volkswirtschaftlichen Problem werden könne.

Szenario 2: Systemkrise und Zusammenbruch

Mehr Regulierung und weniger Markt seien im 2. Szenario zwangsläufig: „Als direkte Folge eines Peak Oil bleibt somit festzuhalten, dass unter den Bedingungen der in den letzten Jahrzehnten gewachsenen globalen und nationalen Wirtschaftsstrukturen marktwirtschaftliche Mechanismen zu Unterversorgung und sogar zu einem Teil- oder Komplettversagen von Märkten führen können.[..] In einem solchen Fall kämen für die betroffenen Bevölkerungen nun zwei ungünstige Entwicklungen zusammen. Zum Einen erleben sie einen sinkenden Wohlstand wegen der ansteigenden Arbeitslosigkeit.“ Darin sehen die Autoren aufgrund historischer Fallstudien große gesamtgesellschaftliche Stabilitätsrisiken: „Vor allem wenn es offensichtlich wird, dass es die Regierungen versäumt haben, angemessene Lösungsstrategien zu erarbeiten und der Gesellschaft in dieser Umbruchsphase damit Orientierung zu bieten. Der Vertrauensschwund von Bevölkerungen gegenüber staatlichen Institutionen kann sich in einer Vertrauenskrise gegenüber der Politik verfestigen.“

Während die vorgenannten Effekte nicht zwingend systembedrohend sein müssten, so könnten nach Ansicht der Autoren auf der Skala durch den Peak Oil-induzierter Wachstumseinbußen Kipp-Punkte („Tipping Points“) überschreiten lassen, an denen „sich entscheidet, ob die Folgen des Peaks ex ante analysierbar bleiben oder nicht.“ Sollte – wie zu erwarten – nach Überschreiten des Peak Oil die Wirtschaften auf unbestimmte Zeit schrumpfen, so prognostizieren die Autoren mittelfristig den Zusammenbruch der globalen Wirtschaft und jeder marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaft.
Als maßgeblichen Grund dafür sehen sie die nicht mehr realisierbaren Gewinne, die erst die Fremdkapitalkosten der wirtschaftenden Unternehmen decken können. Als Folge davon bräche das Banken- und Finanzsystem zusammen. Nach dem Zusammenbruch der gesamten Finanzinfrastruktur folgte der Staatsbankrott, Massenarbeitslosigkeit und der Zusammenbruch kritischer Infrastrukturen. Hungersnöte seien die unmittelbare Folge. Die Schlussbemerkung dieses Abschnitts bringt die Gefährdung für Deutschland auf den Punkt: „Ein hohes systemisches Risiko ist in Anbetracht des Globalisierungsgrades Deutschlands also auf jeden Fall und unabhängig von der eigenen Energiepolitik gegeben.“

Wie können Gegenmaßnahmen aussehen?

Die Studie widmet sich in einem eigenen Kapitel möglichen Handlungsoptionen, die auf den zuvor analysierten Entwicklungen aufbauen. Dazu gehöre vornehmlich die Stabilisierung und der Ausbau der Beziehungen zu den Lieferländern, eine pragmatische Politik diesen gegenüber.

Da jedoch durch die zunehmende Konzentration der verbleibenden Lieferländer in der sogenannte „Strategischen Ellipse“ die Herkunftsdiversifizierung sich nicht beliebig ausweiten ließe, käme der Diversifizierung der Energiequellen größte Bedeutung bei, was „in diesem Sinne als weitere Verstärker und Treiber einer zeitlich ambitionierten Energiewende9 verstanden werden“ solle.

Durch die Schwächung in der Bedeutung Deutschlands und der EU sei eine pragmatische Anpassung der eigenen Politik an die politischen Gegebenheiten unausweichlich, auch wenn dies die Annäherung an fundamental andere Positionen vieler asiatischer und arabischer Länder bedeute.

Die Autoren der Studie sehen ein bedeutendes Anwachsen der radiologischen Gefährdung (vorwiegend aus einem nichtmilitärischen Umfeld) voraus, weshalb relevante staatliche Institutionen für die Vor- und Nachsorge verstärkt auch international ausgebaut werden müssten. In diesem Kontext sei eine weitere Beschränkung und ein Abbau des Zivilschutzes keinesfalls zu verantworten.

Mit zunehmender Verknappung steige auch die Gefährdung für kritische Infrastrukturen („KRITIS“). Daher sei die Sicherung dieser Infrastrukturen (militärisch wie anderweitig) ebenso von Belang wie der Aufbau „störungsresistenter Netze für die elektrische Energie“.

Für die Streitkräfte mit ihrer hohen Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen, speziell auch für die Bundeswehr und die europäische Rüstungsindustrie bestehe die Herausforderung des Peak Oil in einer vollständigen Umstellung auf postfossile Techniken und die Nutzung Erneuerbarer Energien („green forces roadmap 2050“).

Als Schlussfolgerung kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass für Deutschland mit seinem sehr hohen Globalisierungsgrad das systemische Risiko des Peak Oil besonders hoch ist. Aus der hochkomplexen Systemvernetzung resultiere das Risiko, dass ein Ölpreisschock nicht einen proportionalen Rückgang der Wirtschaftsleistung, sondern einen Systemzusammenbruch zur Folge habe. „Die Handlungsfähigkeit Deutschlands und der Bundeswehr hängt von funktionierenden Infrastrukturen ab. Eine gezielte Vorbereitung auf unbekannte Herausforderungen ist schwierig, aber nicht gänzlich unmöglich.“

Aufgrund der Unsicherheit in den prognostizierten Entwicklungen nach einem Peak Oil folgern die Verfasser: „Die wahrscheinlich wirkungsvollsten Lösungsstrategien - neben einer nicht nur auf hochindustrialisierte Länder abzielenden frühzeitigen Umstellung von Wirtschaft und Energieversorgung - befassen sich deshalb nicht mit der Entwicklung zielgerichteter Gegenmaßnahmen, sondern mit systemischen „Grundtugenden“ wie Unabhängigkeit, Flexibilität und Redundanz. [..] Hier ist ein Umdenken bezüglich der Bewertungsmaßstäbe erforderlich: Nicht nur Effizienz, sondern zunehmend auch Robustheit wird ein Kriterium nachhaltiger Politik.“

Zusammenfassende Bewertung

Die Studie bildet eine schlüssige Analyse der großen „systemischen Risiken“, die sich aus dem Peak Oil und folgenden weiteren Peaks endlicher Energieträger und Rohstoffe für unsere hochkomplexe, vernetzte Wirtschaft und Gesellschaft ergeben. Die beschriebenen Szenarien erscheinen plausibel. Vor dem Hintergrund der Ursachen der Entstehung der jüngsten Weltwirtschaftskrise muss die Wahrscheinlichkeit eines kompletten Systemzusammenbruchs nach einem Peak Oil als sehr hoch angenommen werden.

Als Strategiepapier zur präventiven Vorbereitung gibt die Studie neben der Notwendigkeit einer ambitionierten Energiewende wichtige Hinweise, vor allem, dass Aspekte der Redundanz10 und Robustheit unbedingt berücksichtigt werden müssen. In diesem Zusammenhang erscheint uns jedoch der Lösungsvorschlag der Bildung von strategischen europäischen Allianz mit Nordafrika (im Zusammenhang mit der DESERTEC-Studie) als eher widersprüchlich, da wir die Kriterien der Sicherheit und Robustheit gleichermaßen nicht hinreichend als erfüllt ansehen.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass unsere staatlichen Organe als Entscheidungsträger dringend aufgefordert sind, nicht nur aus Klimaschutzgründen sondern auch wegen der als sicher geltenden Verknappung unserer fossilen Energieressourcen schnell wirksame Gegenmaßnahme einzuleiten: Die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien und eine größtmögliche Energieautarkie Deutschlands und seiner Regionen sind neben robusten und redundant ausgelegten Netzen die praktischen Notwendigkeiten.

Da es letztlich um Überlebensstrategien geht, sollte die Politik den Kernsatz im Fazit der Studie beherzigen:
 
„Vielmehr müssen zukünftige Veränderungen darauf ausgerichtet sein, systemische Abhängigkeiten zu verringern und in neuen Strukturen möglichst gänzlich zu
vermeiden.“

Diese Erkenntnisse sind sicher neu, müssen sie doch als – zumindest partielle – Abkehr von den Leitlinien einer immer stärker vernetzten und globalisierten Wirtschaft verstanden werden. Der Weg in die postfossile Gesellschaft ist demnach unausweichlich. Ob er vorausschauend eingeschlagen wird, oder ob es aufgrund zu langen Zögerns oder falscher Grundsatzentscheidungen zu unbeherrschbaren gesamtgesellschaftlichen Umbrüchen kommt, hängt letztlich von unseren heutigen Entscheidungen ab. Ob das aktuell als revolutionär bezeichnete Energiekonzept der Bundesregierung diesen wichtigen Aspekten standhält, mag vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser so wichtigen Studie jeder Leser selbst entscheiden.


Fußnoten
1) http://www.zentrum-transformation.bundeswehr.de
2) Da die Studie zwar im Internet, nicht jedoch auf der Webseite des Transformationszentrums abrufbar ist, hat der SFV gezielt nachgefragt. Wir erhielten dazu am 07.10.2010 von Herrn Oberstleutnant Jürgen Panzer die Information, dass diese im Internet abrufbare Version durch Dritte ins Internet gestellt worden sei und diese seitens der Bundeswehr derzeit weder fertiggestellt, noch freigegeben, noch veröffentlicht sei. Nach Abschluss der Studienarbeiten und entsprechender Freigabe sei die online- Veröffentlichung jedoch beabsichtigt. Da aber bereits in der uns vorliegenden Fassung die Kernproblematik dieses für unsere aktuell anstehenden energiepolitischen Entscheidungen so wichtigen Themas Verknappung von Energieressourcen schlüssig beschrieben wird, berichten wir bereits jetzt darüber. Weitere interessante Information hierzu unter http://www.spiegel.de/wirtschaft/ soziales/0,1518,714878,00.html sowie http://www.welt.de/politik/deutschland/article9308286/Peak-Oil-Was-tun-wenn-das-Oelzu-teuer-wird.html
3) Als Peak Oil wird der Zeitpunkt bezeichnet, ab dem die Welterdölförderung ihr Maximum erreicht hat und ab diesem Zeitpunkt stetig zurückgeht. Weitere Informationen hierzu unter http://peak-oil.com/ sowie unter http://www.peakoil.net/
4) Ein aktuelles Beispiel ist der jüngste Streit mit Russland um die Ausbeutung der Ressourcen der Arktis
5) Hier sind insbesondere die großen kanadischen Vorkommen an Ölsanden zu nennen.
6) nukleare Proliferation: Weitergabe von nuklearem Material zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen
7) siehe http://www.desertec.org/de/
8) siehe http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/die-tortillakrise/806060.html
9) siehe hierzu die SFV-Publikationen unter http://www.energiewenderechner.de/de/
10) Redundante Systeme beinhalten zwei oder mehrere gleiche oder ähnliche Einheiten, die im Fall der Störung einer Einheit die (Grund-)Funktion des Systems sicherstellen.



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