Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 01.04.2010, aktualisiert am 02.04.2010, Wolf von Fabeck:

Solarstromvergütung im strategischen Zusammenhang

Derzeit gibt es eine heiße Diskussion um die Frage, ob und wie stark die Einspeisevergütung für Solarstrom gesenkt werden solle. Dabei stehen die Gewinne der Solaranlagenhersteller im Mittelpunkt des Interesses.

Angeblich gute Gewinne bei einigen Solarfirmen werden als Beleg dafür angesehen, dass eine "Überförderung" vorläge. Und deshalb müsse die Einspeisevergütung abgesenkt werden, heißt es. Diese Angelegenheit sei so wichtig, dass sogar eine außerplanmäßige Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes durchgeführt werden müsse.

Diese Überbetonung eines einzigen Gesichtspunktes lässt sich strategisch wohl kaum erklären. Strategisches Denken würde mit einer Bedrohungsanalyse beginnen. Und eine Bedrohungsanalyse käme zu folgendem Ergebnis: Die Welt wird nicht in erster Linie bedroht durch die Gewinne bei einigen Solarunternehmen, sondern durch den Klimawandel und die weitere Verbreitung von spaltfähigem Material und radioaktiv strahlendem Restmüll. Die Welt wird bedroht durch den Neubau von fossilen Kraftwerken und durch die Verlängerung der Atomlaufzeiten.

Die strategisch richtige Antwort auf diese Bedrohung lautet: Die Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien muss BESCHLEUNIGT werden! Das wäre ein strategisches Ziel!

Und wie können wir das Ziel erreichen? Deutschland braucht einen ausgewogenen Mix verschiedener Technologien - um nur die Wichtigsten zu nennen, einen Mix aus Windenergie, Solarenergie und dezentralen Speichern. Windenergie hauptsächlich im Winter, Solarenergie im Sommer und dezentrale Speicher das ganze Jahr hindurch zur Glättung der wetterbedingten Schwankungen.

Fehlt auch nur eine dieser drei Komponenten, so ist ein ausgewogener Mix und damit ein vollständiger Umstieg auf die Erneuerbaren Energien nicht möglich. Noch stehen diese drei Technologien aber nicht in gleicher Qualität und Quantität zur Verfügung. Solarstrom und Speichertechniken müssen gegenüber der Windenergie noch einige Jahre technische Entwicklung aufholen [1]. Sie sind sozusagen die langsamsten Schiffe im Geleitzug. Ihr Entwicklungstempo bestimmt deshalb die Zeitdauer für den endgültigen Umstieg auf die Erneuerbaren Energien insgesamt und muss besonders beschleunigt werden.

Energiespeicher wie Batterien und Solarmodule werden in automatisierten Produktionsanlagen hergestellt. Wie lassen sich bei solchen Produkten entwicklungstechnische Rückstände schneller aufholen? Dazu müssen während der Produktion technische Erfahrungen gemacht und rascher als bisher in die Praxis umgesetzt werden. Umsetzung in die Praxis ist bei bestehenden Produktionsanlagen allerdings nachträglich kaum möglich. Die Generationenfolge neuer Produktionsanlagen muss deshalb beschleunigt werden. Innovationen brauchen rasches Wachstum. Und rasches Wachstum braucht Gewinnanreize. Strategisch richtig wäre es deshalb, die Anreize zum Bau von Solaranlagen nicht zu verschlechtern, sondern sie wieder zu verbessern [2].


Fußnoten

[1] Kostendeckende Vergütung für Windenergie im Küstenbereich gab es seit 1991 mit dem Stromeinspeisungsgesetz. Annähernd kostendeckende Vergütung für Solarstrom gab es erst seit 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

[2] Der SFV schlägt vor, zu der ursprünglichen Regelung des EEG 2004 zurückzukehren, wonach unabhängig von der Entwicklung der PV jährlich einmal die Einspeisevergütung für Neuanlagen um 5 Prozent vermindert wurde. Diese Regelung hatte auch noch den Vorteil, dass derjenige, der seine Anlage erst nach dem Jahreswechsel an das öffentliche Netz anschließen konnte, zwar 5 Prozent geringere Einspeisevergütung, zum Ausgleich aber 5 Prozent längere Einspeisezeit bekam.



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