Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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01.08.2016, Alfons Schulte:

Zwei Jahre mit dem e-up unterwegs

Ein Erfahrungsbericht

Seit einigen Jahren stand für uns fest: sobald ein passendes E-Fahrzeug zu noch gerade akzeptablem Preis zur Verfügung steht, würden wir versuchen, auf E-Mobilität umzusteigen.
 

Die Verkehrsanbindung

Ich wohne mit meiner Familie in einem kleinen Dorf, das zwar noch zu Aachen gehört, aber vom öffentlichen Nahverkehr nur tagsüber Montag bis Freitag angefahren wird.

Meine Frau und ich nutzen für den Weg zur Arbeit ca. zehn Monate im Jahr das Fahrrad. Bei sehr ungünstigen Witterungsbedingungen (Schnee, Glatteis oder starker Regenfall) nimmt meine Frau den Bus. Da die Busverbindung zu meiner Arbeitsstelle sehr schlecht ist, nehme ich in diesen witterungsbedingten Situationen das Auto. Ein PKW ist für uns notwendig, da abends oder am Wochenende kein öffentlicher Personennahverkehr vor Ort angeboten wird. Trotz dreier Kinder war es uns in der Vergangenheit möglich, ohne ein zweites Auto auszukommen.
 

Der Umstieg

Als im Frühjahr 2014 der e-up verfügbar wurde, haben wir zunächst diesen und auch einige andere Modelle (2-, 4- und 5-Sitzer) Probe gefahren. Da wir häufig auch Nachbarn mitnehmen, haben wir uns als „Kompromiss“ auf den e-up mit vier Sitzplätzen festgelegt.

Mein Kaufvorschlag fiel in der Familie zunächst nicht auf ungeteilte Zustimmung. Nach kurzer Zeit jedoch war klar, welchem Auto der Vorzug sowohl in der Stadt als auch in Stadtnähe zu geben ist: dem e-up. Das Fahren damit ist einfach viel entspannter als mit unserem alten „Diesel-Klein-PKW“. Nicht nur das Schalten empfindet der Fahrer des E-Mobiles nach sehr kurzer Zeit als lästig, auch der Geräuschpegel nervt. Unser Diesel-PKW wird seitdem im „privaten Carsharing während der Woche von den Nachbarn genutzt, deren Auto zur gleichen Zeit ausfiel.
 

Der Fahrspaß

Fahren mit dem e-up macht eigentlich immer Spaß, außer wenn es sehr kalt ist, denn eine eingeschaltete Heizung strapaziert die Batterie schon stark (und damit die Reichweite), was sich auf das Gemüt des Fahrers negativ auswirkt. Zum Fahrspaß kommt das gute Gefühl, keine Abgase und wenig Geräusche zu produzieren. Auch regt einen nicht mehr jede rote Ampel auf, an der der Verbrenner besonders unwirtschaftlich wird. Das hohe Drehmoment beim Anfahren des e-up macht gerade in der Stadt ein schnelles und sicheres Abbiegen möglich.
 

Die Wirtschaftlichkeit

Sehr gut ist, dass bei vernünftiger Fahrweise die vom Hersteller angegebenen Verbrauchswerte durchaus eingehalten werden können (wenn man den Angaben des Bordcomputers glauben darf). Grund dafür ist sicher auch die perfekt funktionierende Rekuperation (Batterieladung aus der Rückgewinnung von Bremsenergie). Im Sommerhalbjahr ist man so sehr sparsam unterwegs, im Winterhalbjahr ist der Verbrauch etwa 25% höher (wir haben aber auch immer Decken dabei).
 

Die Reichweite

Von den 149 km nominal Reichweite bei voll geladener Batterie würde ich im Sommerhalbjahr realistisch 120 km fahren können (mit etwas Puffer). Im Winterhalbjahr schmilzt die Distanz auf unter 100 km. Für den Stadtverkehr oder das stadtnahe Umland ist das gar kein Problem. Lange Entfernungen sind wir aber bisher nicht mit dem E-Auto gefahren, da haben wir meistens die Bahn genommen. Je nach Strecke muss man dazu allerdings auch deutlich längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Jetzt kommen langsam aber auch die ersten Fahrzeugen auf den Markt, die mit Batterien größerer Kapazität ausgestattet sind. Das entschärft sicher die Problematik der Reichweite.
 

Die Lademöglichkeiten

Lademöglichkeiten stellen sicher ein großes Hindernis für viele dar, die sich gern ein E-Mobil zulegen würden. Ich selbst kann zu Haus tagsüber meinen eigenen Solarstrom „tanken“. Diese Gelegenheit hat aber sicher nicht jeder. In Aachen sind wir in der glücklichen Situation, dass der örtlicher Stromversorger vergleichsweise viele Ladesäulen aufgestellt hat. Zu aller „E-Mobilisten“ Ärger wurden jedoch auch schon wieder welche abgebaut. Dank einer RF-ID-Karte (Scheckkarte) ist das Laden (und Parken) in der Stadt einfach. Jedoch konzentrieren sich die Möglichkeiten in der Innenstadt auf wenige unzureichend markierte Ladeplätze, die manchmal auch von „Falschparkern“ zugestellt sind. Außerhalb Aachens ist RWE-Land. Dort gibt es auch hier und da Ladesäulen, die Freischaltung über eine Handy-App ist aber im Vergleich zur RF-ID-Karte in Aachen sehr lästig und auch nicht immer zuverlässig.

Möchte man einmal größere Distanzen überbrücken, braucht es eine genaue Planung (und immer auch ein bisschen Mut). Dringend benötigt werden dazu Schnellladestationen an den Autobahnen. Ich rate dazu, die Schnelllademöglichkeit beim Kauf eines e-Mobils auf jeden Fall mitzubestellen, denn das erhöht die zukünftige Flexibilität ungemein. Unser e-up kann schnell geladen werden. Wir haben es ausprobiert, es funktioniert wirklich gut.
 

Die Betriebskosten

Unser E-Fahrzeug verursacht im Betrieb sehr geringe Kosten. Für 100 km Fahrt kann man von etwa 15 kWh ausgegangen werden (Ladeverluste eingerechnet), somit liegt man deutlich unter 4 Euro. Wenn man dazu den eigenen Solarstrom nutzt, sieht die Kostensituation noch besser aus. Hinzu kommt, dass bei guter Planung das Laden und Parken je nach Dauer des Einkaufs/Veranstaltung in der Stadt kombiniert werden kann. Dies ist zwar derzeit für uns ein Vorteil, aber nur so lange, wie es nicht viel mehr E-Mobile gibt!

Im Vergleich zu einem Verbrenner fielen die Kosten für die erste Inspektion mit ca. 140 Euro (inkl. MWSt.) erfreulich niedrig aus. Das Fahrzeug ist für 10 Jahre steuerbefreit, die Vollkasko-Versicherung ist auch ziemlich günstig.
 

Die Batterielebensdauer

Nach jetzt gut 2 ¼ Jahren Nutzungsdauer und etwa 17.000 elektrisch gefahrenen Kilometern kann ich noch keinen spürbaren Abfall in der Batteriekapazität bemerken. Das wird die Zukunft zeigen. Ich zähle da allerdings auf die 8-Jahres-Garantie des Herstellers.
 

Die Zuverlässigkeit

Bis auf unwichtige Kleinigkeiten (Modul für die Fernbedienung) hat das Fahrzeug bis heute keinerlei Probleme gemacht. Der Hersteller hat zwar eine Nachrüstung an der Ladesteckdose vorgenommen, sonst jedoch ist das Fahrzeug alltagstauglich und sehr zuverlässig.
 

Unsere Schlussfolgerungen

Von Seiten des Gesetzgebers muss einiges getan werden um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen – zumindest im Stadtverkehr: Mehr Ladesäulen, gerade in außerstädtischen Bereichen, Schnellladesäulen an den Autobahnen (so wie Tesla es vormacht), einfache Freischaltung und faire Abrechnung an den Ladepunkten und eine gut erkennbare Markierung von Ladeplätzen.

Die neuen Fördermöglichkeiten (Kaufprämie, steuerbefreites Laden beim Arbeitgeber, ... ) können weitere Impulse geben.

Vor allem aber müssen die Hersteller stärker aktiv werden: mehr Modelle anbieten und vor allem bei der Reichweite zulegen. Gerade die deutschen Anbieter hinken immer noch hinterher und man spürt beim Betreten eines Autohauses förmlich, wie sehr sie noch immer auf die großen Spritfresser setzen.
 

Fazit:

Ich selbst möchte definitiv nicht mehr zum Verbrenner zurück. Selbst komfortabel ausgestattete Leihwagen mit Verbrenner tausche ich im Zweifel gern wieder gegen unser kleines E-Mobil ein. Auch wenn sicher am konkreten Modell immer etwas zu verbessern ist, so können wir doch sagen, dass es „mehr Auto“ auf nicht zu langen Fahren und in der Stadt wirklich nicht braucht. Mit Blick auf die Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare haben wir eh keine andere Wahl: future goes electric.



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