Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Datum: 29.03.06

BMU veröffentlicht lähmende Prognosen zu Zuwachsraten bei Sonnen- und Windenergie im Binnenland

BMU-Studie: "Vergütungszahlungen und Differenzkosten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz"

Die Studie wurde im Auftrag des BMU erstellt vom:
  • DLR – Institut für Technische Thermodynamik, Abt. Systemanalyse und Technikbewertung, Stuttgart,
  • Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, Stuttgart
  • Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, Wuppertal

Sie wurde im Dezember 2005 veröffentlicht. Die vollständige Studie (88 Seiten) kann hier heruntergeladen werden.

 
Eine kurze Zusammenfassung der Kritik des Solarenergie-Fördervereins Deutschland (SFV) finden Sie am Ende des Beitrages.

Die wesentlichen Punkte für die Kritik des SFV lassen sich anhand einer Graphik zeigen, die sich auf Seite 12 der Studie findet. Diese Graphik stellt das tatsächliche jährliche Wachstum der Erneuerbaren Energien ab 2000 und das prognostizierte Wachstum bis zum Jahr 2020 dar.

Abb. 4: Jährlich zu installierende Leistung nach einzelnen EE-Technologien in MWel/a bis 2020 zur Erreichung
des Ausbauszenario "Wahrscheinlicher Ausbau" und resultierende kumulierte Leistung in GWel


 

Stellungnahme des Solarenergie-Fördervereins Deutschland e.V.

  • Das Wachstum im Rückblick
    Im Rückblick zeigt sich das enorme Wachstum der Photovoltaik bis zum heutigen Tage. Jahr für Jahr wurde mehr installiert als im Vorjahr. Bei der Windenergie im Binnenland hingegen werden bereits ab 2003 die verheerenden Folgen unentschlossener politischer Unterstützung sichtbar.
  • Prognose für das Wachstum bis 2020
    Die Prognose für das Wachstum zeigt mehrere Peinlichkeiten.
    1. Als Jahres-Zuwachsraten für Photovoltaik werden ab 2005 maximal 600 Megawatt angenommen. Einen weiteren Zuwachs halten die Verfasser für "in Deutschland nicht vorstellbar". Schlimmer noch, sie halten weiteres Wachstum nicht einmal für notwendig und gehen zukünftig von jährlich gleichen Zuwachsraten aus. Siehe dazu den folgenden Textauszug:

      Zitat aus BMU-Studie: (Seite 17 unten)
      "Die Photovoltaik hatte in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum zu verzeichnen. Ende 2004 betrug die installierte Leistung 860 MWp, davon wurden allein in 2004 etwa 450 MWp errichtet. Eine Fortsetzung dieser Wachstumsentwicklung (Durchschnitt des Marktwachstums im Jahrzehnts 1994 - 2004 rund 46 %/a; im letzten Jahr Verdopplung) über einen längeren Zeitraum ist in Deutschland nicht vorstellbar.
      Für die Etablierung einer konkurrenzfähigen deutschen Produktion, die auf globalen Märkten wettbewerbsfähig ist, sind diese hohen Wachstumsraten auf Dauer auch nicht erforderlich.
      Allerdings müssen globalen Wachstumsraten zwischen 25 – 30 %/a über mindestens ein weiteres Jahrzehnt aufrechterhalten werden, damit die Lernkurven in einem zeitlich vernünftigen Rahmen durchlaufen werden können. (Im Programm ARES ist derzeit ein Lernfaktor von 0,80 bis 2020 angenommen; was bei Wachstumsraten um 25%/a etwa einer jährlich erreichbaren Kostendegression von 10%/a entspricht [DLR 2005]). Für den deutschen Markt wird deshalb von einem stabilen aber nicht mehr deutlich weiter wachsenden PV-Markt ausgegangen."

      Die Photovoltaikanlagen-Produktion soll also stagnieren; "Nullwachstum"! Keine neuen Solarfabriken, keine neuen Arbeitsplätze, kein technischer Fortschritt - Jahr für Jahr die gleiche Produktionsmenge an neuen Solarmodulen - maximal 600 Megawatt jährlich!
      Ein einfaches Rechenexempel zeigt, dass dann die installierte PV-Leistung bis 2020 bei rund 7 GW liegen würde. Der Beitrag an der Stromversorgung würde damit weit unter 5 Prozent bleiben. Dies können und dürfen wir nicht akzeptieren. Bis wir die möglichen 30 Prozent an der Energieverssorgung erreicht hätten, die laut LTI-Studie möglich sind, würden bei diesem Schneckentempo über hundert Jahre vergehen.
    2. Es fehlt der Hinweis, dass die Vergütungssätze für Solarstrom längst nicht mehr kostendeckend sind, da sie bereits zweimal um 5 Prozent abgesenkt wurden, obwohl der Preis für Solarmodule nicht gesunken sondern gestiegen ist.
      Anmerkung: Der Preisanstieg bei Solarmodulen wurde durch die Tatsache verursacht, dass es einen Engpass in Solarsilizium gibt. Dieser Engpass wird voraussichtlich erst im nächsten Jahr durch Bau neuer Solarsilizium-Produktionsanlagen überwunden.
    3. Eine weitere Peinlichkeit: Die Verfasser der Studie sehen in ihrer oben gezeigten Graphik Importstrom aus Erneuerbaren Energien ab 2008 vor. Eine neue Importabhängigkeit?
    4. Noch eine Peinlichkeit: Die Verfasser loben auf Seite 7 die regelmäßige Absenkung der Vergütungssätze:
      Mit den degressiven Vergütungsregelungen im EEG wird ein starker Anreiz gegeben, die Effizienz zu steigern und die Kosten der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien deutlich und nachhaltig zu reduzieren. Damit werden sie zunehmend an die Wettbewerbsfähigkeit herangeführt.

      Hier kommen Zweifel an der wirtschaftlichen Kompetenz der Verfasser auf. Sie übersehen die heutzutage naheliegende Gefahr, dass bei schrumpfenden Gewinnen die Kapitalgeber Ihr Kapital abziehen und in lukrativere Branchen investieren, z.B. in den Bau von Spitzenlastkraftwerken auf Erdgasbasis. Im Übrigen würden die Solaranlagen auch ohne eine Vergütungsdegression effektiver und billiger, weil die Anlagenbetreiber in ihrem Gewinnstreben solche Anlagen bevorzugen, die bei möglichst niedrigem Preis möglichst viel Strom liefern. Die wahre Ursache für Steigerung der Effizienz und Senkung der Kosten ist somit der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anlagenanbietern, nicht aber die Absenkung der Vergütung.
      Der SFV bedauert es, die Verfasser der Studie darauf hinweisen zu müssen, dass die degressive Vergütungsregel einen anderen Zweck hat. Sie soll die Gewinne der Anlagenbetreiber sowie der Installateure, Händler und Hersteller auf ein wirtschaftlich vertretbares Maß beschränken. Vertretbar sind Gewinne, die den Gewinnen der konventionellen Stromwirtschaft mindestens entsprechen (davon ist zur Zeit nicht einmal zu träumen). Immerhin geht es darum, zum Zweck der Energiewende die Kapitalströme von den konventionellen zu den Erneuerbaren Energien umzulenken.

      Eine zu starke Absenkung der Vergütung würgt die betroffene Technik ab. Das wissen auch die Verfasser, wie aus dem folgenden Zitat auf Seite 45 der Studie vorgeht:
      Die Verstromung fester Biomasse (v. a. Holz) wird durch vier Referenzsysteme abgebildet: Altholz der Kategorien III/IV wird entsprechend der Biomasseverordnung zum EEG in Anlagen mit einer Leistung von 20 MWe eingesetzt [Biomasse 2005]. Mögliche Veränderungen der Leistung künftiger Anlagen werden nicht betrachtet, weil aufgrund der deutlichen Absenkung der Vergütungssätze (auf 3,78 Cent/kWh) für Anlagen, die nach dem 30.6.2006 in Betrieb gehen, entsprechend des Ausbauszenarios nicht mit einem nennenswerten weiteren Zubau zu rechnen ist.

Zusammenfassung der Kritik des Solarenergie-Fördervereins Deutschland e.V.

Die im Vorfeld zur Jahreskonferenz der Erneuerbaren Energien veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien durch das EEG den durchschnittlichen Haushalt heute mit rund 1,50 Euro, bis Mitte des kommenden Jahrzehnts mit 2,80 Euro und ab 2016 mit ständig sinkenden monatlichen Mehrkosten belastet, bzw. belasten wird.

Dieses erfreuliche Ergebnis erreicht die Studie durch folgenden Kunstgriff:

Die bisherige rasante Zunahme der Solarstromanlagen wurde in der Prognose nicht fortgeschrieben, sondern für die kommenden Jahre wurde willkürlich nur noch ein gleichbleibender jährlicher Zubau neuer Solarstromanlagen - also Nullwachstum in der Solarmodulproduktion für den Binnenmarkt - angenommen. Die Beschränkung auf kleine Mengen an Solarstromanlagen hält natürlich den Mischpreis der Erneuerbaren Energien niedrig, denn Solarstrom wird noch auf Jahre hinaus der teuerste Strom unter den Erneuerbaren Energien sein.

Der Verzicht auf weiteres Wachstum bei der Solarstromanlagen-Produktion verlängert allerdings die Zeitdauer der Unwirtschaftlichkeit, denn bei Nullwachstum, d.h. ohne Neubau von moderneren Solarfabriken ist ein technischer Fortschritt - und damit eine Verbilligung - in der Produktion nicht möglich. Wirtschaftlichkeit wird bekanntlich ja umso schneller erreicht, je höher die Zubauraten sind.

Hier gilt es, die Dringlichkeit zweier Alternativen gegeneinander abzuwägen:

  1. Entweder man entscheidet sich für einen stärkeren Ausbau der Solarenergie mit allen Vorteilen für neue Arbeitsplätze, Verringerung der Importabhängigkeit, Entwicklung einer Exportbranche, Verringerung der Umweltbelastung und bezahlt diesen Ausbau. Dabei nutzt man die Tatsache, dass die Kosten für die konventionellen Energien derzeit noch gering sind.
  2. Oder man entscheidet sich dafür, das weitere Wachstum der Solarenergie abzuwürgen. Wenn dann die Preise und die Umweltschäden der konventionellen Stromversorgung unerträglich hoch werden, zahlt man schließlich dann doch noch den Ausbau der Solarenergie - dann aber zusätzlich.zu den hohen Kosten der konventionellen Stromerzeugung.
Die zweite Alternative halten wir für unverantwortlich.

PS Übrigens ist die Studie durch die Strompreisentwicklung bei den konventionellen Energien bereits überholt. Vattenfall hat zu Jahresbeginn mitgeteilt, dass die Preise für Strom aus konventionellen Energien im vergangenen Jahr schneller angestiegen sind als die Preise für Strom aus Erneuerbaren Energien

Zum gleichen Schluss führt eine Berechnung des BMU vom November 2005., die unter http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/print/36181.php eingesehen werden kann.

 


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