Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Artikel vom 11.7.2000

Möglichkeit des Einzelnen zur Entlastung der Umwelt:
Grünen Strom lieber verbrauchen oder produzieren?

Ökostromkunden werden getäuscht

von Wolf von Fabeck

Am Anfang war die gute Absicht

Viele Menschen sind bedrückt von der Vorstellung, daß ihr Stromverbrauch zur Belastung der Umwelt, zum Waldsterben und zur Klimakatastrophe beiträgt. Sie möchten deshalb nur Strom verbrauchen, der diese Nebenwirkungen nicht hervorruft. Zu diesem Zweck sind sie bereit, „Grünen Strom" zu kaufen und dafür einige Pfennige mehr zu bezahlen.

Das Gegenteil wird erreicht

Doch diese gutwilligen Menschen geben ihr Geld zumeist vergeblich aus. Schlimmer noch, sie erreichen durch ihr Opfer sogar das Gegenteil von dem, was sie zu erreichen hoffen. Sie werden somit getäuscht. Bedauerlicherweise ist diese Täuschung nicht etwa die Ausnahme, sondern die Regel und sie ist durch die gültigen Gesetze gedeckt. Es gibt überhaupt nur eine kleine Handvoll Ökostromhändler, die an der grandiosen Täuschung nicht beteiligt sind (deren Angebote werden hier nicht beurteilt.)

Vergleich der Verhältnisse ohne und mit Ökostromhandel

Um den Täuschungsvorwurf verstehen zu können, vergleichen wir am besten die Verhältnisse im Strommarkt miteinander, einmal als Variante 1 ohne Ökostromhandel und einmal als Variante 2 mit Ökostromhandel.

Variante 1: Was würde geschehen, wenn es keinen Ökostromhandel gäbe?
Der bundesdeutsche Strom-Mix enthält schon seit einiger Zeit (neben dem Hauptanteil von Braunkohle und Atom) auch etwa 4 % Anteile aus alten Wasserkraftwerken, die im Eigentum der großen Stromversorger stehen, sowie einen zunehmenden Anteil (zur Zeit etwa 2 %) aus privaten Wind-, Biomasse- und Solaranlagen, die ins öffentliche Netz einspeisen. Bis vor kurzem wurde dieser Strom-Mix ohne Rücksicht auf seine Bestandteile verkauft. Dabei wurde ein Mischpreis aus den Gestehungskosten für Atomstrom, Braunkohlestrom, Wasserkraftstrom und sonstigem Ökostrom gebildet und in Rechnung gestellt.

Variante 2: Was geschieht, wenn es Ökostromhandel gibt?
Hier wird den gutwilligen Ökostromkunden versprochen, sie würden zukünftig nur umweltfreundlichen Wasserkraftstrom oder anderen Ökostrom erhalten, wenn sie dafür freiwillig ein paar Pfennige Zuschlag zahlen. Der Stromverkäufer kassiert sodann von den Ökostromkunden einen höheren Strompreis als den bisherigen Mischpreis. Den übrigen Kunden (denen egal ist, wie ihr Strom erzeugt wurde), kann der Stromverkäufer zum Ausgleich einen niedrigeren Strompreis für ihren „Egalstrom" berechnen.

Hat der gutwillige Ökostromkunde diesen Effekt wirklich gewollt? Möchte er wirklich, daß seine Mehrzahlung den Strom für die Stromverschwender noch billiger macht? Möchte er anderen die Möglichkeit geben, billiger werdenden Strom noch bedenkenloser zu verschwenden? Dies war mit Sicherheit nicht seine Absicht!

Bis hierher also der desillusionierende Vergleich zwischen einem Strommarkt ohne Ökostromhandel und einem Strommarkt mit Ökostromhandel.

Welche theoretische Erwägung steht hinter der Idee des Ökostromhandels, und worin liegt ihr logischer Fehler?

Warum aber, wenn die Nachteile des Ökostromhandels doch so offensichtlich sind, vertreten manche Menschen die Idee, durch Ökostromhandel die Energiewende erreichen - zumindest aber unterstützen - zu können?

Die theoretische Überlegung der Ökostrombefürworter geht dahin, daß durch eine hohe Nachfrage nach Ökostrom die Produktion von Ökostrom (der Bau neuer Anlagen, die Ökostrom erzeugen) in Gang kommen soll. Dieses Prinzip kann jedoch nur funktionieren, wenn die Nachfrage nach Ökostrom das Angebot übersteigen würde. Erst wenn mehr Wasserkraftstrom (oder Windstrom oder Solarstrom) verlangt würde, als vorhanden ist, wäre der Stromhändler gezwungen, sich um NEUE Wasserkraft-, Windkraft- oder Solaranlagen ernsthaft zu bemühen. Doch in diese „Gefahr" gerät er nicht, weil nämlich (durch den Anreiz des Erneuerbare Energien Gesetzes, EEG) der Anteil des Ökostromes an der Gesamtstromproduktion weit schneller anwächst als die Zahl der Ökostromkunden. Bis zum Jahr 2010 soll der Anteil an Ökostrom bereits auf 12% am Strommix angewachsen sein, fordert z.B. die Europäische Union. Soviel Menschen, die FREIWILLIG mehr Geld für Ökostrom ausgeben, wird es wohl kaum geben. Insbesondere ist zu bedenken, daß die Wirtschaft, die etwa 2/3 des erzeugten Stroms verbraucht, zu freiwilligen Mehrzahlungen wohl kaum bereit sein wird.

Fazit: Ökostrom produzieren - nicht verbrauchen!

Wer also dafür sorgen will, daß die Belastung der Umwelt durch Stromerzeugung zurückgeht, der sollte sich nicht als Verbraucher von Ökostrom, sondern als Produzent von Ökostrom engagieren.

Eine eigene Solaranlage oder die Beteiligung an einer Gemeinschaftsanlage (Solar, Wind, Biogas) bringt ihm die Gewißheit, daß sein Geld nicht zur Entlastung der Egalstromkunden, sondern tatsächlich zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien eingesetzt wird. Eine Solarstromanlage auf dem eigenen Dach ist nicht mehr unerschwinglich und erzielt - Dank des neuen EEG - eine Einspeisevergütung von 99 Pf/kWh.

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