Es begann mit Sensibilität. Sensibilität für unser Klimaproblem. Viele Menschen, und es werden immer mehr, empfinden, wie die Klimaerwärmung nicht nur Arten ausrottet, sondern auch uns Menschen schadet. Insbesondere diejenigen, die sich schon immer um die Gesundheit der Menschen gekümmert haben, nehmen ihre Verantwortung wahr und versuchen, den Klimawandel aufzuhalten. Dies geschah schon lange bevor die Fridays For Future-Bewegung (kurz: FFF) bekannt wurde.  

Einige von unserer Gruppe Health for future (H4F) kämpfen schon seit über 30 Jahren gegen den CO2-Ausstoß und setzen sich für die Nutzung regenerativer Energiequellen ein. Um 1990 war die Windenergie im Verhältnis “Gewonnene Energie pro investierte D-Mark”  der Solarenergie um einen Faktor 10 überlegen, für eine möglichst große Wirkung wurde daher in Windenergie investiert. Leider aber wurde die staatliche Förderung für diese Form der Energie immer weiter zurückgefahren, und so verebbte der zügige Ausbau der Windenergie. Gleichzeitig kam durch Massenproduktion und verbesserte Wirkungsgrade die Photovoltaik in Schwung, bedroht durch den 52 GW Solardeckel.

Aber es war abzusehen, dass die Regierung es nicht schaffen würde, die Klimaziele zu erreichen, da sie zu langsam und zu zaghaft bestehende Strukturen veränderte. In diesem Zusammenhang stieß ich auf die Klimaschutzklage des SFV [1] und bemerkte zu meiner größten Freude, dass einer der Unterzeichner wie ich in Koblenz wohnt! Dr. Thomas Bernhard und seine Familie kämpfen seit Jahren gegen den Klimawandel. Zusammen organisierten wir uns mit etlichen aktiven Menschen aus dem Gesundheitswesen und gründeten die Untergruppe Koblenz der “Health For Future-Bewegung”, kurz H4F Koblenz.  

Bei den FFF-Demonstrationen machte die H4F auch durch ihre Berufskleidung und eine kranke Erdkugel, die auf einer Bahre getragen wird und eine Infusion bekommt, auf sich aufmerksam. Viele Menschen wundern sich: “Oh, da sind Ärzte auf der Demo. Menschen, denen ich vertraue. Die finden es nötig, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen? Dann muss da ja was dran sein!” Eine CO2-Steuer von 20 Cent pro kg (also 200 € pro Tonne) würde genügen, um dem Klimawandel durch effektive Maßnahmen Einhalt zu gebieten. Das ist nicht zu viel verlangt als Preis für die Annehmlichkeiten, die wir uns erlauben. Prof. E.U.v. Weizsäcker meint: “Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen”.

 

© Dr. Balk - frei zu verwenden

Wir trafen uns oft und beratschlagten, welche Maßnahmen sich gegen den Klimawandel eignen, führen  online-Seminare und Beratungen in Krankenhäusern durch und überlegen, wie man dort Energie sparen kann.  Wir arbeiten im Moment am “Radentscheid Koblenz” mit, fahren als Gruppe immer bei den monatlichen “Critical mass-Koblenz”-Radtouren mit, wo wir bessere Radwege fordern. Am 18. September fuhren wir mit über 70 Teilnehmern von H4F aus ganz Deutschland mit dem Rad von Koblenz nach Köln.

Es ist nicht leicht, sich gegen die Interessen weniger, mächtiger Menschen durchzusetzen, die die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen und Veränderungen unserer Lebensweise ausbremsen.

Dennoch lassen wir uns nicht stoppen und machen immer weiter. Hoffnung gibt uns die positive Resonanz der Presse auf unsere Aktionen. Hilfreich ist auch die Möglichkeit des Einsatzes sozialer Medien über das Handy, bei dem viele Helfer vernetzt werden, das ermöglicht eine verbesserte Version der Demokratie. Ein Online-Auftritt ist unter https://wechange.de/project/health-for-future-koblenz/ zu sehen.

Auch weitere Möglichkeiten der bereits bestehenden Demokratie sind oft nicht bekannt: Einer von uns hatte im April eine Online-Petition im Bundestag zur Abschaffung des Solar-deckels (Petition 110349) gestartet, die dann ihr Quotum aber doch nicht erreichen musste, da glücklicherweise im August 2020 der 52 GW-Deckel endlich abgeschafft wurde – wichtig, denn  im Verhältnis “Gewonnene Energie pro investiertem €” ist die Solarenergie heute allen anderen Erneuerbaren Energien überlegen. Es fehlen abgabenfreie und unkomplizierte Möglichkeiten, Solarenergie gewinnbringend einzuspeisen und ein Gesamtkonzept für Energiespeicher.  

Ein Freund von uns sagte heute: “Wir brauchen mündige Bürger, die niemals aufhören, weiter zu lernen und sich nicht nur passiv, sondern aktiv für den Klimaschutz einsetzen”.

Wenn nicht noch viel mehr Menschen mit anpacken, und eine zügige Decarbonisierung auch durch politischen Druck verwirklichen helfen, werden wir die Klimaziele nicht erreichen. Dann wird der Klimawandel unumkehrbare Kipp-Punkte überschreiten und wir werden entweder die Erde mit reflektierender Folie umgeben müssen, um ihr Albedo (Rückstrahlungsvermögen) zu erhöhen oder die Folgen der Klimaerwärmung zu spüren bekommen. Dabei sind die Folgen der Hitze für die Gesundheit mit Lähmung der allgemeinen Leistungsfähigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Infektionen massiv. Dazu kommt noch der Feinstaub, der durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht und unsere Atemwege und die Lunge angreift. Schließlich werden sich auch noch Kranheiten wie Malaria, die es bisher nur in wärmeren Gebieten gibt, zunehmend ausbreiten. Die Erkrankungen und der Produktionsausfall sind gravierend, aber noch nicht das Schlimmste. Es wird nämlich einen Kampf um beschränkte Ressourcen geben, den die Menschheit so noch nicht gesehen hat.

 

© Dr. Balk - frei zu verwenden

Unbequeme Wahrheiten sind nicht beliebt, daher schließen wir diesen Bericht lieber mit dem Arzt Eckhard von Hirschhausen und seinem verschmitzten Lächeln, wir lächeln auch dazu:  Die gute Laune, die er im “Sommergespräch mit Harald Lesch” [2] oder mit Sven Plöger [3] (dort bei 36:20 “wir brauchen nur 1% des weltweit verfügbaren Vermögens, um komplett auf Erneuerbare zu gehen”) verbreitet, ist unserem Bericht haushoch überlegen, schauen Sie sich die Beiträge bitte an!

 

Verweise:

[1] https://klimaklage.com/die-klaeger/

[2] Sommergespräch mit Harald Lesch: https://www.youtube.com/watch?v=B-tfyHPFpyU

[3] Sommergespräch mit Sven Plöger: https://www.youtube.com/watch?v=FkVi9QZKaro