Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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22.10.2008, Wolf von Fabeck:

Rechenschaftsbericht sowie Vorstellung der weiteren Arbeit, Vereinsjahr 2007/2008

Die energiepolitische Lage und unsere Aktivitäten

Im Rückblick auf das Vereinsjahr 2007/2008 ist ein Ereignis besonders erwähnenswert: Die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, bisher die Trumpfkarte Deutschlands im Kampf gegen den Klimawandel. Das Gesetz wurde umstrukturiert, es wurden einige Klarstellungen eingeführt und sein Umfang wuchs auf mehr als das Doppelte. Ob die Anwendung in der Praxis sich dadurch erleichtern wird, bleibt abzuwarten. Der erste Blick gilt natürlich den Vergütungshöhen, denn von ihnen hängt es ab, ob man mit der Technik Geld verdienen kann und ob sich ein finanzieller Einstieg in diese Technik lohnt. In dieser Hinsicht stellt das Gesetz trotz einiger kleiner Verbesserungen bei Windenergie und Biomasse eine Enttäuschung dar.

Bei der Photovoltaik scheint der Hauptzweck der Änderungen darin gelegen zu haben, die angeblich übermäßigen Gewinne einiger Hersteller zu verringern, selbst wenn dadurch der Ausbau der Technik insgesamt verlangsamt wird. Völlig zum Erliegen kommen soll der Ausbau aber nun bitte auch wieder nicht. Aus Sicht des Klimaschutzes sind die minutiösen Regelungen zur jährlichen Senkung der Einspeisevergütung in Paragraf 20 empörend kontraproduktiv. Die Einspeisevergütung wird im neuen EEG erheblich schneller abgesenkt als im bisherigen EEG. Und damit nicht genug: Anstatt sich zu freuen, wenn trotzdem mehr Solaranlagen installiert werden, droht der Gesetzgeber für diesen Fall darüber hinaus eine zusätzliche noch schnellere Absenkung der Vergütung an. 1500 Megawatt Neuinstallationen im Jahr 2009, 1700 MW im Jahr 2010 und maximal 1900 MW im Jahr 2011! Mehr hält er nun wirklich nicht für nötig. Ein schnelleres Wachstum ist zwar nicht direkt verboten, aber nur, wenn es noch weniger kostet.
In der Broschüre des Bundesumweltministeriums (BMU) "Strom aus erneuerbaren Energien - Was kostet uns das?" vom März 2008 heißt es geradezu entschuldigend: "Mit einem Anteil von etwa fünf Prozent am Haushaltsstrompreis ist der Beitrag der erneuerbaren Energien demnach weiterhin moderat. Die Erneuerbaren sind auch keinesfalls Treiber des Strompreises." Das BMU sieht sich eindeutig in der Defensive. In seiner Broschüre fehlt z.B. die Aussage: "In Deutschland stellen die Erneuerbaren Energien 15 Prozent des Stroms. Ihr Anteil am Haushaltsstrompreis beträgt aber nur 5 Prozent."

Von einem entschlossenen Umschwenken der Politik in Richtung Energiewende sind wir also noch meilenweit entfernt. Ein Gegenbeispiel mag dies veranschaulichen: Derzeit ist viel die Rede von dem Rettungspaket für die Banken. Ein Betrag von 480 Milliarden Euro wurde innerhalb weniger Wochen von Regierung und Parlament bereitgestellt. Es gab kaum politischen Widerspruch. Allenfalls wundert sich der Bürger flüchtig über den großen Geldbetrag. 6000 Euro pro Kopf der Bevölkerung! Regierung, Parlament und Bevölkerung sind " wie wir sehen - durchaus zu Opfern bereit, wenn sie die Notwendigkeit einsehen und an die Durchführbarkeit der angekündigten Maßnahmen glauben. Aber an die Durchführbarkeit einer Energiewende glauben sie nicht! Selbst Bundesumweltminister Gabriel forderte am 20.09.08 in Aachen bei einer öffentlichen Diskussion zum Atomausstieg gemeinsam mit Ulla Schmidt den Neubau von Kohlekraftwerken und erklärte in der anschließenden Diskussion auf Nachfrage, er würde gerne 100 Prozent Erneuerbare Energien umsetzen, doch leider seien 100 Prozent Erneuerbare Energien nun einmal nicht möglich. Er verwies dazu auf die Leitstudie der DLR für das BMU. Nach dieser wissenschaftlichen Studie seien in Deutschland bis zum Jahr 2020 30% Erneuerbare Energien möglich.

Die von Gabriel erwähnte Leitstudie kennen wir. Sie schreibt eine Vorgänger-Studie vom Dezember 2005 fort. Und dort (http://www.sfv.de/lokal/mails/wvf/zuwachsz.htm) findet sich bezüglich des Photovoltaikwachstums der unglaublich naive und entlarvende Satz: "Eine Fortsetzung dieser Wachstumsentwicklung (Durchschnitt des Marktwachstums im Jahrzehnts 1994 - 2004 rund 46 %/a; im letzten Jahr Verdopplung) über einen längeren Zeitraum ist in Deutschland nicht vorstellbar." "Nicht vorstellbar" - was soll eine solche Bemerkung in einer "wissenschaftlichen" Studie? Studien sind bekanntlich nur so gut wie die Grundannahmen. Weil Auftragsgeber und Verfasser sich eine Fortsetzung der Wachstumsentwicklung nicht vorstellen können, wird die Möglichkeit der vollständigen Energiewende in Abrede gestellt. Und warum können sie sich dieses Wachstum nicht vorstellen? Wir begegnen hier den verheerenden Auswirkungen des 'Paradigmas von der Undurchführbarkeit der Energiewende'. Die Energiewirtschaft leugnet seit langem bei jeder denkbaren Gelegenheit gezielt die Möglichkeit einer Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien. Die Erneuerbaren Energien hätten nicht das erforderliche Potential und seien unbezahlbar. Diese Fehlinformation wird seit Jahrzehnten mit allen Mitteln der Werbetechnik verbreitet und hat inzwischen den Rang eines Paradigmas erreicht.

Ein Paradigma ist der allgemeine Konsens darüber, dass man sich schon mit der Untersuchung bestimmter Fragen lächerlich macht und fortan keine Seriosität mehr beanspruchen darf. Paradigmen können durchaus auch nützlich sein, weil sie die Verirrung in abwegige Gedankengänge unterbinden. Sie können allerdings auch die weitere Entwicklung der Wissenschaft erheblich behindern. Ein bekanntes Beispiel aus dem 16. Jahrhundert ist das Paradigma von der Erde als Zentrum des Universums. Zu behaupten, die Erde drehe sich um die Sonne, war damals sogar lebensgefährlich. Heute behindert das "Paradigma von der Unverzichtbarkeit der großen Kraftwerke" an vielen Technischen Universitäten und anderen wissenschaftlichen Instituten jede ernsthafte wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Energiewende, zumindest aber die Weitergabe ihrer Ergebnisse durch die Medien an die Öffentlichkeit. Denn auch Journalisten wollen nicht ihre Seriosität verlieren. Je weniger einer vom Thema versteht, desto vorsichtiger muss er sein.

Das wohl prominenteste Opfer des genannten Paradigmas ist Dr. Angela Merkel. In ihrem ersten Rundfunkbeitrag als frisch ernannte Umweltministerin der Regierung Kohl wiederholte sie eine Werbeaussage der deutschen Stromkonzerne, die in allen großen Zeitungen erschienen war: "Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 Prozent des deutschen Strombedarfs decken".
Die oben erwähnte Leitstudie 2008 des BMU, auf die Sigmar Gabriel sich beruft, wurde im Auftrag des Umweltministeriums erstellt. Den Studienauftrag kennen wir nicht. Aber in der "Vorbemerkung" zu der Studie gibt es einen Hinweis. Dort heißt es wörtlich: "(...) werden in diesem Leitszenario die Zwischenziele der Bundesregierung für die Reduktion der CO2-Emissionen, der Steigerung der Energieproduktivität und den Beitrag der erneuerbaren Energien für das Jahr 2020, wie sie in den Beschlüssen der Bundesregierung, den einschlägigen Gesetzen und den Regelungen der EU-Kommission festgelegt sind, abgebildet und der dadurch erforderliche Strukturwandel der Energieversorgung dargestellt."

Aha! Die Studie untersucht also überhaupt nicht die Frage, ob und wie schnell eine Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien möglich ist, sondern sie zeigt eine der tausend Möglichkeiten, auf welche Weise man die von der Bundesregierung vorgegebenen Zwischenziele erreichen kann. Es ist anzunehmen, dass Sigmar Gabriel dieser Umstand überhaupt nicht aufgefallen ist, da er unter dem Eindruck des oben erwähnten Paradigmas wie selbstverständlich davon ausgeht, dass 100 Prozent Erneuerbare Energien vollständig abwegig sind. Bei der Diskussionsveranstaltung in Aachen war ihm jedenfalls deutlich anzumerken, wie überrascht er von der Behauptung war, man könne eine Energiewende zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien schaffen.

Nach einer Fülle ähnlicher Erfahrungen sieht es der Solarenergie-Förderverein Deutschland als wichtigste strategische Aufgabe der Umweltbewegung an, das herrschende Paradigma von der Unverzichtbarkeit der herkömmlichen Energieversorgung aktiv zu überwinden. Paradigmen überwindet man nicht nur durch Widerlegung, d.h. durch andere Studien; obwohl die wissenschaftliche Aufarbeitung natürlich eine Grundvoraussetzung ist. Wichtiger aber ist derzeit die Überwindung des Paradigmas in der allgemeinen Volksmeinung. Wie dies gehen kann, demonstriert Al Gore mit großem Erfolg in seiner Initiative "Strom für Amerika zu 100 Prozent aus wirklich CO2-freien Quellen innerhalb von 10 Jahren". Er erzeugt damit endlich die Aufbruchstimmung, die notwendig ist, das alte Energiesystem abzulösen.

Paradigmen wirken über das Gefühl auf den Verstand ein. Wichtig sind deshalb auch in Deutschland seriöse Appelle an das Gefühl und die geduldige Wiederholung von zwei Thesen "Eine Umstellung der Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ist in Deutschland möglich" und "Erneuerbare Energien stabilisieren die Energiepreise". Entsprechend dieser Erkenntnis haben wir im vergangenen Vereinsjahr in verschiedenen Werbeaktionen unser Faltblatt "100% Erneuerbare Energien sind möglich" in einer Stückzahl von fast 250.000 Stück drucken lassen und auf verschiedenen Wegen verteilt.

Über 30 Vorträge zum Thema 100 % wurden nach unserer Zählung im letzten Vereinsjahr gehalten. Auf unserer Internetseite unter dem Link "Vorträge und Aktionen" kann man sich informieren, wo die nächsten Vorträge in Deutschland - auch von Nichtangehörigen des SFV - zum Thema 100 % gehalten werden.

In einem Seminar mit der Evangelischen Erwachsenenbildung erhielten wir rhetorisch nützliche Hinweise. Das Seminar - mit noch stärkerer Betonung auf den rhetorischen Teil - wird am 1. und 2. November in Aachen wiederholt.

Unser Energiewenderechner im Internet wird derzeit so überarbeitet, dass die Anwender an Schiebereglern die Einstellungen vornehmen und das Ergebnis als Graphik direkt ablesen können. So können sie sich selber davon überzeugen, dass es eine Fülle von Variationsmöglichkeiten gibt, wie man die Aufgabe 100 Prozent Erneuerbare Energien für Deutschland lösen kann. In jedem Fall zeigt Ihnen der Rechner in einer Bilanz an, ob die von Ihnen angenommene Lösungsvariante den von Ihnen angenommenen Energiebedarf einschließlich der für unvermeidlich gehaltenen Speicherverluste decken kann.

Zu erwähnen ist noch eine öffentliche Anhörung vor dem Wirtschafts- und Umweltausschuss des Hessischen Landtages, in der unser erster Vorsitzender, Prof. Müller-Hellmann, eine Lanze für die deutliche Vergrößerung der Vorrangsgebiete für Windenergie und für eine Aufhebung der unsinnigen technischen Einschränkungen für Windanlagen brechen konnte. Außerdem konnte er dort wieder einmal unseren Standpunkt erläutern, dass es nicht darauf ankommt, mit Strom aus Erneuerbaren Energien zu handeln, sondern ihn selber zu erzeugen.

Global denken - national handeln

Zum besseren Verständnis unserer Vereinsarbeit erläutern wir nachstehend, wie wir den globalen Klimawandel ohne internationale Vereinbarungen, alleine durch nationales Handeln eindämmen können:
Aus Gründen der politischen Durchsetzbarkeit legen wir den Schwerpunkt unserer Arbeit auf Deutschland, bedenken dabei aber stets die globalen Auswirkungen. Ein erfolgreiches rasches Voranschreiten der Energiewende in einem hochindustrialisierten und dicht besiedelten Land wie Deutschland würde nicht nur technische und wirtschaftliche Hilfe für die globale Energiewende bereitstellen, sondern auch argumentativ wichtige Impulse. Dazu einige Beispiele:

  • Alle Erneuerbaren Energien haben ihre besonderen Stärken und Vorzüge, die auch global benötigt werden. Wir fordern deshalb im nationalen Rahmen eine technologieabhängige gewinnbringende Einspeisevergütung für alle Erneuerbaren Energien. Ziel ist eine gegenüber dem bisherigen Erneuerbaren-Energien-Gesetz noch gesteigerte Erhöhung der Nachfrage und damit ein wirtschaftlicher Anreiz zum Bau weiterer nationaler und internationaler Produktionsstätten. Die Ausweitung der Massenproduktion verbessert und verbilligt die Techniken durch Wettbewerb und Erfahrung und schafft so die Voraussetzung für die nationale, insbesondere aber auch für die globale Anwendung in weniger kapitalkräftigen Ländern.
  • Bei einer vollständigen Umstellung auf Erneuerbare Energien tritt die Frage der Energiespeicherung stärker als bisher in den Vordergrund. Der Speicherbedarf kann erheblich vermindert werden, wenn unterschiedliche Techniken - Wind- und Solarenergie, Wasserkraft, Geothermie und Bioenergie - sich zeitlich weitgehend ergänzen und überlappen. Dies gilt sowohl für Deutschland als auch global gesehen. Deshalb kann auf die Photovoltaik - derzeit noch die teuerste der Erneuerbaren Energien - nicht verzichtet werden. Wir fordern insbesondere eine Verbesserung der Einspeisevergütung für Solarstrom.
  • Auch angesichts des wachsenden Energiebedarfs weltweit kann auf das riesige Potential der Photovoltaik nicht verzichtet werden. Das gilt sowohl für Deutschland, wo die Photovoltaik allein an und auf Gebäuden sowie Lärmschutzwänden im jährlichen Durchschnitt die Hälfte des jetzigen Strombedarfs erzeugen könnte. Das gilt aber auch global, insbesondere in den südlichen Entwicklungsländern, wo die PV die klimabelastenden Dieselgeneratoren ablösen muss.
  • Photovoltaik ist die jüngste der Erneuerbaren Energien und muss möglichst rasch den Entwicklungsvorsprung der anderen Erneuerbaren Energien aufholen. Sie benötigt deshalb besondere staatliche Unterstützung bei der Markteinführung.
  • Beim Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien sehen wir das größte Potential in der Erzeugung von elektrischem Strom. Zur Sicherstellung einer ununterbrochenen Versorgung erwarten wir global einen wachsenden Bedarf an Stromspeichern. Ein deutsches Gesetz zur Schaffung von Anreizen für den Ausbau dezentraler Stromspeicher durch jeden Bürger, ließe sich auch auf internationale Ebene übertragen. Und die Verbilligung von Batteriespeichern durch Massenproduktion wird sich auch global auswirken.
  • Energieeffizienz: Sollen wir tatenlos darauf warten, dass die steigenden Energiepreise Energieeffizienz erzwingen? Die Monopol- und Krisengewinne der Energiekonzerne würden derweilen ins Unermessliche steigen und gleichzeitig den Anreiz bieten, diesen Zustand der Verknappung möglichst lange auszudehnen. Wir fordern deshalb eine finanzielle Beteiligung des Produktionsfaktors Energie an den Gemeinschaftsaufgaben durch eine zügige Verlagerung der Steuerlast von den Personalkosten zu den Energiekosten. Höhere Energiesteuern zur Entlastung des Faktors Arbeit (z.B. durch Absenkung des Arbeitgeberanteils an den Sozialabgaben) würden wieder angemessene Rahmenbedingungen für zukunftswichtige personalintensive Branchen wie z.B. Arbeitsplätze im Erziehungs-, Ausbildungs- und Sozialbereich schaffen, und den vermeintlichen Zwang zu ständigem Wirtschaftswachstum beseitigen. Zur sozialen Abfederung könnte z.B. ein monatliches Energiegeld dienen. Eine solche Regelung könnte für andere Industriestaaten beispielgebend werden, wenn sich erste nationale Erfolge einstellen.

Zur Abschätzung der Energieerträge bei der energetischen Biomassenutzung haben wir umfangreiche Recherchen betrieben. Das Ergebnis steht inzwischen als Entwurf unter http://www.sfv.de/artikel/2007/Potentia.htm im Internet. Biomasse hat die Voraussetzung zur Lieferung von Spitzenlaststrom; doch nicht einmal im neuen EEG 2009 findet man Anreize dafür Strom aus Biomasse bedarfsgerecht einzuspeisen. Uns ist allerdings auch noch deutlicher als bisher geworden, dass das Potential der Biomassenutzung nicht einmal ansatzweise ausreicht, um bei einer 100 Prozent Versorgung aus Erneuerbaren Energien die wetterbedingten Angebotslücken bei Sonnen und Windenergie auszugleichen. Dieser Ausgleich muss durch Energiespeicher ergänzt werden. Hierzu hat der SFV bereits mehrere Vorschläge erarbeitet. Dabei dringen wir auf eine Dezentralisierung der Speichertechnik. Als Anreiz fordern wir ein Gesetz, wonach der Strompreis für Endverbraucher jederzeit das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wiederspiegelt. Jeder Anschlussnehmer in Deutschland soll das Recht haben, Strom zu beliebigen Zeiten gegen eine dem Strompreis entsprechende Vergütung ins Netz einzuspeisen.

In fast 900 Beiträgen auf unserer Internetseite machen wir Interessenten mit unseren Vorschlägen bekannt. Dass unsere Beiträge im Internet durchaus wahrgenommen und weiter verlinkt werden, zeigt sich bei der Google-Suche. Wer z.B. die beiden Stichworte "Arbeitsplätze" und "Gerechtigkeit" eingibt, findet unseren SFV-Beitrag unter den ersten Einträgen. Unser Vorschlag eines "Energiegeldes" findet sich ebenfalls bei Google ganz vorne. Und es zeigt sich, dass er auch von anderen Organisationen fast wörtlich übernommen wurde.

Beratung von Solaranlagenbetreibern

Neben der politischen Arbeit, die das Ziel verfolgt, die Rahmenbedingungen in unserem Sinne zu verbessern, sehen wir die Betreiberberatung als wichtige Aufgabe an. Hier liegt unser Schwerpunkt weiterhin bei Problemen mit dem Netzbetreiber. Offensichtlich soll die Zahl der dezentralen Stromerzeuger durch "Abschreckung" möglichst klein gehalten werden. Fast täglich gehen Anrufe bei uns ein, in denen potentielle Anlagenbetreiber um Rat nachfragen. Manchmal sind die Verstöße der Netzbetreiber gegen das EEG so offensichtlich, dass sie vom Netzbetreiber nach Hinweis auf die Rechtslage abgestellt werden. In den übrigen Fällen bleibt uns nur, die Betreiber an Fachanwälte für Energierecht zu verweisen.

Mit einem nichtständigen Vertreter sind wir in der Clearingstelle EEG vertreten. Dort besteht der Wille, die berechtigten Interessen der Anlagenbetreiber gegen Angriffe durch die Stromnetzbetreiber zu schützen. Allerdings ist angesichts der Verkomplizierung des EEG davon auszugehen, dass die Zahl der Streitfälle zunehmen wird, so dass auch eine gut organisierte Clearingstelle nur einen geringen Anteil der Fälle wird abarbeiten können. Unsere immer noch aufrecht erhaltene Forderung nach Zahlung einer Bereitstellungsgebühr bei Nichtanschluss einer fertiggestellten Anlage zeigt sich somit weiterhin als vordringlich.

Solarbriefe

Im Vereinsjahr sind vier Solarbriefe (4/07 bis 3/08) erschienen.

Ertragsdatenbank für Solarstromanlagen.

Der SFV betreibt die weitaus größte öffentliche Datenbank mit Erträgen von 9950 Solarstromanlagen. Die statistischen Auswertungen dieser Erträge werden auch von der Arbeitsgruppe Statistik des BMU genutzt. Sie geben Anlagenbetreibern einen ungeschminkten Anhalt darüber, wieviel Strom man in den verschieden PLZ-Bereichen und in den verschiedenen Monaten aus Solaranlagen gewinnen konnte.

Mitgliederzahlen (Stand 21.10.08)

Die Vorjahresstände zeigen das kontinuierliche Anwachsen des Vereins:
Persönliche Mitglieder: 2402 (In den Vorjahren 2273, 2232, 2194, 2076, 2010, 2147, 2040, 1738, 1597)
Fördermitglieder: 210 (205, 192, 179, 171, 160, 155, 150, 106, 78)

Vereinsziel für das Jahr 2008/2009

  • Die Überzeugung von der Notwendigkeit und der Realisierbarkeit einer Energieautonomie auf der Basis von 100 % Erneuerbaren Energien in der Öffentlichkeit weiter verfestigen und auf die entsprechenden Änderungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen hinwirken.
  • Wir werden die Gelegenheit nutzen, im Wahljahr 2009 mit Hilfe von Wahlprüfsteinen die Ziele der verschiedenen Bundestagsparteien zu erfragen und vergleichend zu veröffentlichen.

Politische Forderungen für das neue Vereinsjahr

  • Erneuerbare Energien verbrauchsnah in allen Regionen bereitstellen, Solaranlagen nicht nur im sonnenreicheren Süden, Windanlagen nicht nur im Küstenbereich und auf See! Nutzung der Sonnenenergie an allen Gebäuden - Sonnenwärme aus Solarthermie und Solarstrom aus Photovoltaikanlagen;
  • Keine Genehmigungen für neue fossil oder nuklear betriebene Kraftwerke;
  • Abschaffung aller Privilegien für die Erschließung neuer Braunkohlegruben, Erdöl- und Erdgasfelder sowie den Abbau von Kernbrennstoffen;
  • Schnellstmöglicher Ausstieg aus dem Emissionshandel;
  • Nicht der HANDEL mit "grünem Strom", sondern die ERZEUGUNG von Strom aus Erneuerbaren Energien muss vorangetrieben werden;
  • Gewinnbringende (mehr als kostendeckende) Einspeisevergütung im EEG. Zur Vermeidung von Missverständnissen: Die Vergütung soll (unabhängig von den möglichen Gewinnen der Hersteller) den Betreibern der Anlagen Gewinne ermöglichen, die denen in der Energiewirtschaft entsprechen. Damit soll die Nachfrage nach neuen Anlagen schneller steigen als bisher;
  • Beseitigung der administrativen und gesetzlichen Hemmnisse für den Ausbau der Windenergie im Binnenland;
  • Verstaatlichung der Strom- und Gasnetze;
  • Verpflichtung für die Netzbetreiber zur Erschließung weiterer Regionen mit hohem Potential Erneuerbarer Energien durch Neubau von Transportleitungen;
  • Verpflichtung der Netzbetreiber zum Erstellen der Anschlussleitungen für Anlagen zur Nutzung der Erneuerbaren Energien;
  • Verpflichtung der Netzbetreiber zur Zahlung einer Bereitstellungsgebühr für betriebsfertige Anlagen der Erneuerbaren Energien, deren Strom - aus welchen Gründen auch immer - nicht abgenommen werden kann;
  • Baupflicht für Neubauten und Nachrüstpflicht für Altbauten bei Besitzerwechsel zur Vollwärmedämmung und zur Errichtung von Solaranlagen (Photovoltaik oder Solarthermie);
  • Der Schutz von Solaranlagenbetreibern gegenüber nachträglicher Verschattung muss gesetzlich geregelt werden;
  • Wir fordern eine Haftungsbegrenzung für Schäden, die von Anlagen Erneuerbarer Energien am öffentlichen Netz verursacht werden, entsprechend der Haftungsbegrenzung für die Stromwirtschaft;
  • Ein Gesetz zur konsequenten Liberalisierung des Stromhandels auch für Kleinlieferanten soll - wie oben erläutert - die Stromspeicherkapazitäten bundesweit vergrößern;
  • Nur durch eine Steigerung der Energiepreise kann die häufig beschworene Energieeffizienz gesteigert werden. Wir fordern - und dies gilt nicht nur für das EEG - jede Ausnahme bei der Besteuerung des Energieverbrauchs bei den energieintensiven Betrieben aufzuheben.

22 Jahre Unabhängigkeit - Dank an Mitglieder und Spender!

Unser Verein nimmt seit nunmehr 22 Jahren eine wichtige Funktion in der Energie- und Wirtschaftspolitik als Vordenker und Mitinitiator ein, indem er Grundsatzprobleme anpackt, sie leicht verständlich aufarbeitet und in die öffentliche Diskussion hineinträgt. Wir können stolz darauf sein. Die Wahrnehmung dieser Aufgabe verlangt finanzielle und geistige Unabhängigkeit, die auf die treue Unterstützung von mehr als 2400 Mitgliedern zurückgeht und für die der Vorstand ausdrücklich dankt!

Der bisherige Vorstand bittet Sie um Entlastung und der sich zur Wahl stellende neue Vorstand bittet um Beauftragung für das nächste Vereinsjahr!



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