Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Datum: 01.01.2003

Schamhaftes Erröten


Warum Solarfreunde sich bei der Forderung nach kostendeckender Vergütung genieren

Von Wolf von Fabeck
Geschäftsführer im Solarenergie-Förderverein Deutschland

Woher rührt eigentlich die Scheu der Solarfreunde, für sich das Gleiche zu fordern, was sie anderen als Selbstverständlichkeit zubilligen? Bei Wasserkraft, Windenergie und Biomasse, ja sogar bei Kohle und Atom wird die Berechtigung von Gewinnen anerkannt. Doch Renditen für PV-Anlagen? Hier gibt es eine Blockade, fast ein Denkverbot. Wer in der solaren Öffentlichkeit eine angemessene Rendite verlangt, läuft mit seiner Forderung ins Leere. Es gibt noch nicht einmal Widerspruch, sondern eher ein verlegenes Schweigen. Man beeilt sich, rasch das Thema zu wechseln, so als sei etwas Anstößiges gesagt worden oder als fehle dem Sprecher jede Kompetenz.

Die Folgen sind absehbar. Wenn Solarfreunde bei Erwähnung der kostendeckenden Vergütung verlegen zur Seite blicken oder schamhaft erröten, werden wir die kostendeckende Vergütung nie bekommen.

Wir sollten deshalb die meist ungenannten und oft auch unbewussten Vorbehalte herausfinden, die in der Solargemeinde selbst gegen die kostendeckende Vergütung bestehen. Wir müssen sie bewusst machen und ihre Irrelevanz aufzeigen.

Das Pionier-Argument:

Die Vorkämpfer für die Photovoltaik handelten bisher zumeist aus ideellen Motiven. Das Gute und Richtige getan zu haben, war ihnen Lohn genug. Für sie ist es neu und auch ein wenig befremdlich, dass ihre Nachfolger jetzt mit Gewinnen geködert werden müssen.

Den Solarpionieren sei gesagt, dass Pioniere eine Entwicklung immer nur anstoßen können, dass zur endgültigen Umsetzung jedoch die breite Masse gewonnen werden muss. Die wird aber von anderen Motiven bewegt. Dies zu akzeptieren ist eine nicht ganz einfache Übung für einen Menschen mit Pioniergeist.

Das Hobby-Argument:

Der hohe Preis von PV-Anlagen rührt daher, dass die Technik noch nicht ausgereift ist. Der Betrieb von PV-Anlagen wird deshalb von vielen als ein eigentlich noch unzeitgemäßes Privatvergnügen, als Hobby angesehen, dessen unnötig hohe Kosten nicht voll auf die Stromkunden umgelegt werden dürfen. Wer für sich das Privileg in Anspruch nimmt, eine Technik zu nutzen, die eigentlich noch in Forschungs- und Entwicklungslabors gehört, müsse zumindest einen Teil der Kosten selber zahlen, meinen sie.

Hier liegt ein doppelter Irrtum vor. Eine Technik kann nicht durch Abwarten und neue Erfindungen "von alleine" billiger werden. Forschungsergebnisse und Erfindungen verlangen zumeist eine Änderung der Produktionsverfahren, die in den alten Produktionsanlagen nicht einsetzbar sind. Deshalb müssen im Zuge des technischen Fortschritts fortwährend neue und größere Produktionsanlagen erbaut werden. Und dazu ist Massennachfrage erforderlich.
Ein weiterer Irrtum: Der Betrieb einer PV-Anlage bringt weder technische noch finanzielle Vorteile. Der Betreiber handelt ausschließlich im Interesse der Umwelt und der Öffentlichkeit. Er wirbt für die Energiewende, er macht sich die Mühe der Planung und Organisation, er stellt sein Dach zur Verfügung, er hat oft einen nicht unerheblichen Ärger mit dem Netzbetreiber zu bestehen... Es ist nicht einzusehen, warum er zusätzlich auch noch ein finanzielles Opfer bringen soll. Wer sich in dieser Weise - ohne eigenen Vorteil - für eine von der Mehrheit der Bürger gewünschte neue Technologie einsetzt, hat zumindest moralischen Anspruch auf einen Ersatz seiner Kosten. Dies beinhaltet auch einen Ersatz für die ihm entgangene Verzinsung des Eigenkapitals. Er hat deshalb einen Anspruch auf kostendeckende Vergütung.

Das Sportwagenargument:

PV-Anlagen wurden seit über zehn Jahren mit dem Argument angepriesen, dass sie sich keineswegs zu rechnen brauchen, genauso wenig wie z.B. ein Sportwagen.

Dieser Vergleich zwischen dem "Spaßwert" eines Sportwagens und dem einer PV-Anlage hat noch nie gestimmt. Ein wichtiger Unterschied von vielen: Der Sportwagen dient dem EIGENEN Bedürfnis, die PV-Anlage hingegen dient der ALLGEMEINHEIT. Es gilt als völlig normal, dass jemand mit seinem Sportwagen angibt. Wer aber mit einer Spende für Misereor oder mit seinem finanziellen Opfer für eine Solaranlage protzt, der wird milde belächelt und unter "Heilsarmee und so" eingeordnet. Erst, wenn er darauf hinweisen könnte, dass er "echt Cash" mit seiner PV-Anlage macht, kann er sich der wohlwollenden Aufmerksamkeit einer ganzen Abendgesellschaft sicher sein.

Furcht vor Auftragseinbruch:

Händler und Installateure hätten zwar gerne eine kostendeckende Vergütung, möchten die Forderung aber nicht öffentlich stellen, weil potenzielle Käufer dann mit dem Bau ihrer Anlage bis zur tatsächlichen Einführung der kostendeckenden Vergütung abwarten könnten.

Die Befürchtung ist berechtigt. Hier ist die Politik gefordert, eine Anhebung der Einspeisevergütung möglichst rasch durchzufuhren. Zumindest muss in der vorausgehenden Diskussion von den Vertretern der Politik deutlich gemacht werden, dass auch Anlagen, die vor einer Anhebung der Vergütung gebaut werden, in den Genuß der erhöhten Vergütung kommen werden.

Die Glaubwürdigkeitsfalle:

Händler und Installateure, die schon seit Jahren ihre PV-Anlagen mit dem (falschen) Argument verkauft haben, die Betreiber würden Gewinne machen, sehen ihre Glaubwürdigkeit gefährdet, wenn sie eine Vergütung fordern würden, mit der endlich Gewinne erzielt werden können.

Der politische Schaden in der Argumentation um die kostendeckende Vergütung und der Glaubwürdigkeitsverlust bei den getäuschten PV-Betreibern ist beklagenswert! Hier hilft nur eine schonungslose Aufdeckung des Sachverhalts. Einen Anfang dazu hat der Solarenergie-Förderverein mit seiner Schwarzliste der unseriösen Gewinnversprechungen gemacht.

Angst vor dem Misserfolg:

Man fürchtet sich lächerlich zu machen, wenn man eine Forderung stellt, die "niemals" erfüllt werden wird. Deshalb reduziert man seine eigene berechtigte Forderung von vornherein auf einen niedrigeren Wert.

Was soll man dazu sagen? Teppichhändier können vermutlich geschickter verhandeln. Die jedenfalls beginnen nicht mit einem Kompromissangebot. Wir sind keine Teppichhändier und stellen keine überhöhten Forderungen. Aber wir dürfen uns auch nicht unter die kostendeckende Vergütung drücken lassen. Denn es geht um den Erhalt der Umwelt!

Der Druck der öffentlichen Meinung:

In der Einleitung wurden die psychologischen Barrieren angedeutet, die einer unbefangenen Forderung nach kostendeckender Vergütung entgegenstehen. Viele von uns haben diese Barrieren schon selber erlebt.

Hier hilft nur eines: Selbstvertrauen, Mut und die tägliche Gewöhnung. Auch wenn es anfangs schwer fällt: Nutzen Sie jede Gelegenheit zur Verbreitung unserer Forderung. Eine neue Erkenntnis setzt sich nur dann durch, wenn sie von immer mehr Verfechtern als Selbstverständlichkeit immer wieder in die Öffentlichkeit getragen wird:

Photovoltaik braucht kostendeckende Vergütung!

 


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