Mit dem wachsenden Solarmarkt steigt auch die Anzahl alter Module, die entsorgt werden müssen. Ab 2030 könnten jährlich Millionen Tonnen PV-Abfall anfallen. Wir werfen einen Blick auf die Fortschritte und Herausforderungen beim Recycling von Solarmodulen und erklären, was Sie beim Abbau Ihrer Ü20-Anlage beachten müssen.

1. Stehen wir vor einem riesigen Recyclingproblem durch Solarmodule?

Die ersten privaten Solaranlagen wurden in Deutschland zwar bereits in den Neunzigern montiert, doch war die Gesamtanzahl an Modulen aus diesem Jahrzehnt mit ca. 25 MWp installierter PV-Leistung noch sehr gering. Erst mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 ist die Menge der verbauten Solarpaneele stark gestiegen. Von 2000 bis heute wurden in Deutschland grob geschätzt etwa 300 Millionen Module verbaut, mit insgesamt 103 GWp Leistung, also die 4000-fache Leistung. Angesichts der für die Energiewende notwendigen PV-Leistung ist diese Zahl immer noch niedrig: Bei einem eigentlich notwendigen jährlichen Ausbau von 50 GWp könnten in Deutschland je nach Modulleistung deutlich über 100 Mio. Module pro Jahr zum Einsatz kommen. Immer wieder gibt es daher kritische Stimmen, die auf die große Anzahl ausgedienter Module und das Entsorgungsproblem – den sogenannten trash tsunami – aufmerksam machen, das in den kommenden Jahren entstehen wird. 

Gleichzeitig werden große Modulmengen benötigt, um einen effizienten Recyclingprozess wirtschaftlich betreiben zu können. Aber dazu später mehr. Betrachtet man die prognostizierten Photovoltaik-Abfallmengen, sind kritische Hinweise zunächst einmal berechtigt: Die Europäische Umweltagentur rechnet mit jährlich 1,5 Mio. Tonnen Abfall durch PV-Module ab 2030 in Europa. 1,2 In Deutschland wird ein erster sprunghafter Anstieg ab 2029 erwartet, mit mindestens 400.000 Tonnen jährlich – was etwa 20 Mio. Modulen entspricht. Je höher der durch Solarenergie gedeckte Strombedarf, desto größer wird auch die Entsorgungsaufgabe einige Jahrzehnte später. Es ist also wichtig, einen Blick auf die Umweltverträglichkeit der Solartechnik nach dem Abbau zu werfen. 

Die gute Nachricht ist: Solarmodule sind nicht nur langlebiger als anfangs erwartet, sie können am Lebensende prinzipiell auch sehr gut recycelt werden! Heute bieten Hersteller standardmäßig 25 – 30 Jahre Leistungs- und 15 – 25 Jahre Produktgarantie auf neue PV-Module, manche Firmen werben sogar mit 40 Jahren Garantie3. Die Ü20-Anlagen stellen regelmäßig ihre Ausdauer unter Beweis: mit Anlagen von 1991, die bis heute tadellos Strom liefern, wie unser Artikel zu den ältesten Solaranlagen zeigt. Je länger ein Modul funktioniert, desto nachhaltiger ist es (ungeachtet der Tatsache, dass sich heutige Solarmodule bereits nach etwa einem Jahr energetisch amortisieren). Doch es kommt nicht nur auf die Lebensdauer an, sondern auch auf die verwendeten Ressourcen der Module. 

Good to know: Definitionen

Upcycling

Abfallprodukte werden aufgewertet, indem sie für andere Zwecke (von höherem Nutzen) weiter verwendet werden. Beispiel: Abgebaute Ü20-Anlagen werden mit neuen Wechselrichtern versehen und als Balkonkraftwerke weiter genutzt. Oder: Balkonmodule, die nicht mehr funktionieren, werden als Wände für einen Schuppen verwendet. 

Re-Use oder Second-Life

ähnelt dem Upcycling, kann aber auch bedeuten, dass Produkte in ihrer ursprünglichen Form weiter genutzt werden. Re-use oder Upcycling sollte dem Recycling bevorzugt werden denn es verlängert den Lebenszyklus von Produkten. Z.B.: Eine Ü20-Anlage wird an die Nachbar:innen weiterverschenkt, oder Teile der Anlage werden repariert oder ausgetauscht, um die Funktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten. 

Recycling

ist ein industrieller Prozess, bei dem die Rohstoffe eines Produktes für die Wiederverwertung in neuen (gleichwertigen) Produkten auf­bereitet werden. Beispiel: Bestandteile von Ü20-Modulen werden zerlegt: Das Aluminium oder das Kupfer der Kabel wird eingeschmolzen und dient als neuer als neuer Rohstoff.

Downcycling

bedeutet, dass die recycelten Materialien einen geringeren Wert als vorher aufweisen. Zwar gibt es ebenfalls eine Weiterverwendung in neuen Produkten, aber die Qualität oder Funktionalität nimmt ab. Eine Kreislaufwirtschaft kann nicht entstehen. Beispiel: Wenn das Glas von Solarmodulen zu Glaswolle oder Schaumglas weiterverarbeitet wird.

2. Der Recyclingprozess: Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Prinzipiell kann man in Deutschland von einer guten PV-Recycling-Infrastruktur mit ausgereiften Verfahren sprechen, um PV-Module heute und in Zukunft angemessen zu recyceln. Rein rechtlich betrachtet müssen 80 % Prozent vom Masseanteil der Module recycelt werden, dies gilt für alle Elektrogroßgeräte.4 Auf Solarmodule spezialisierte Recyclingunternehmen wie Reiling in Münster erreichen Recyclingquoten von 80 – 85 %. Dabei werden siliziumbasierte Photovoltaik-Module mit einem rein mechanischen Recyclingprozess aufbereitet. Die Module werden zunächst zerkleinert, bevor die verschiedenen Materialien mittels ihrer physischen Eigenschaften voneinander separiert werden. Endprodukte sind Aluminium, Glas, Leiterbahnen, Silizium sowie Kabel.

Gleichzeitig wird an der Optimierung der Recyclingverfahren weiter geforscht: Das Unternehmen Flaxres aus Dresden versucht, mittels Lichtblitzen eine sortenreine Trennung der Einzelbestandteile, insbesondere der Folien-Solarzellen-Verbunde, zu ermöglichen. Reiling wiederum bringt als erstes Recyclingunternehmen das PV-Glas bereits in hochwertige Anwendungen zur Herstellung von Hohl- und Flachglas zurück. Das ist ein großer Fortschritt, da das Glas von PV-Modulen bislang (nur) in der Dämmindustrie als Schaumglas oder Glaswolle Wiederverwendung findet und hier Primärrohstoffe ersetzt. Ein Einsatz in der Solarglasindustrie ist aufgrund der mangelnden Solarglasherstellung in Deutschland und Europa leider nicht möglich.

Schwieriger gestaltet sich der Recycling-Prozess bei den Rückseiten- und Laminierfolien der Module, die nur teilweise wiederverwendet werden können und bislang  nur „thermisch“ verwertet werden. Ein weiterer kritischer Rohstoff stellt das Blei aus den Zellverbindern dar. Werden die Module fachgerecht recycelt, macht das Blei zwar keine Probleme – dennoch ist es als Bestandteil giftig. Wenn Module beschädigt werden, besteht die Gefahr, dass es in die Umwelt gelangt. Mittlerweile haben einige Firmen, wie z. B. REC, das heute leider insolvente Unternehmen Meyer-Burger, Solarwatt oder OPES Solutions, bleifreie Module im Angebot. 

Auf EU-Ebene wird der Einsatz von Blei in PV-Modulen zunehmend reguliert: Die REACh-Verordnung verlangt von den Modulherstellern seit 2022 Transparenz über die verarbeitete Menge Blei. Die Ausnahmeregelung der RoHS Verordnung (Restriction of Hazardous Substances) wurde im Oktober 2025 ebenfalls aufgehoben: Die Verordnung verbietet seit 2006 die Verwendung von Blei in Elektrogeräten – PV-Module waren aber bislang von der Regel ausgenommen.5,6 

Fazit: Während die technischen Recyclingverfahren immer besser und effizienter werden, müssen sie flächendeckend in der Praxis etabliert und gut koordiniert werden. Dabei spielt die Wirtschaftlichkeit des Prozesses eine wichtige Rolle und die verfügbare Menge an End-of-Life-Modulen ist entscheidend. In Erwartung auf höhere Abfallmengen in der Zukunft wächst auch die Infrastruktur der Recyclingindustrie und an der Optimierung der Recyclingverfahren zur Steigerung einzelner Materialqualitäten wird fortlaufend gearbeitet. 

Damit das Recycling von PV-Modulen verbessert und vereinheitlicht werden kann, haben einige Unternehmen aus der Branche (First Solar, Rosi Solar, Take-e-way und Veolia) zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe zudem ein Handbuch „Kreislaufwirtschaft in der Solarbranche stärken“ erstellt. Die Forderungen betreffen auch die Produktionsseite von Solarmodulen, damit Komponenten beim Recycling einfacher zu trennen sind.
 

3. Was folgt aus diesen Erkenntnissen für Eigentümer:innen von Ü20-Anlagen?

Regelmäßig bekommen wir mit, wie unsere Mitglieder mit dem Abbau oder Repowering, also dem Austausch ihrer alten Ü20-Anlagen hadern oder nach Möglichkeiten suchen, die noch intakten Module anderswo weiterzuverwenden. Man kann die Frage, ob intakte Ü20-Anlagen abgebaut oder weiterbetrieben werden sollten, aus unterschiedlichen Perspektiven argumentieren: Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Energiewende, aber auch die Ressourcenschonung und Müllvermeidung spielen dabei eine Rolle. Für den Klimaschutz sind leistungsfähigere Module sinnvoll. Aus Umwelt- und Ressourcenperspektive sollten funktionierende Module so lange weiterlaufen wie möglich. In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit sollten wiederum mindestens die Ausgaben (Wartung, Versicherung, Rücklagen für Abbau) durch die Einnahmen gedeckt werden. Es ist nicht einzusehen, dass die Betreiber:innen von Solaranlagen klimafreundlichen Strom zum Minder- oder Nulltarif einspeisen oder sogar draufzahlen, sobald die gesetzliche Einspeisevergütungzeit endet. Ein Repowering kann wirtschaftlich ebenfalls Sinn ergeben. Am Ende bleibt es eine individuelle Entscheidung – und manchmal lassen sich Argumente und Optionen auch in Einklang bringen, wie Familie Schenk aus Traunstein (Seite 11) zeigt: Sie verschenkten die 3 kWp Anlage von 1994 an Freunde, während das eigene Dach neu bestückt wurde. 

Generell können wir den Idealismus vieler unserer Mitglieder nachempfinden. Gleichzeitig erfahren wir aus der Branche, dass Megawatt-Solarparks aus wirtschaftlichen Gründen oder bei Teilschäden teilweise bereits nach 10 Jahren ausgetaucsht werden und intakte Module mit mehr als 200 Wp Leistung beim Recycling landen. Da die Preise neuer Solarpaneele mittlerweile sehr niedrig sind, finden sich selbst für diese vergleichsweise leistungsstarken Module nur schwierig Abnehmer auf dem Gebrauchtmarkt – denn die Kosten für  Abbau, Logistik, Prüfprozess und Vermarktung müssen die Second-Life-Module erwirtschaften. Aus diesem Grund ist eine wirtschaftliche Weiternutzung innerhalb Europas oft nicht möglich, sodass die Module von Händlern - ohne Prüfung - in Drittländer exportiert werden. Das erschwert eine fachgerechte Wiederverwendung in Deutschland (inkl. vorgeschriebenem Prüfprozess) für zertifizierte Erstbehandlungsanlagen. Das ist die Kehrseite der grundsätzlich erfreulichen Preisentwicklung auf dem Solarmarkt. Aus diesen vielzähligen Gründen ist eine Abwägung zwischen Erhalt der Ü20-Module oder Abbau & Repowering sorgsam zu treffen. Wir beraten zu beiden Möglichkeiten und setzen uns dafür ein, dass der Fortbestand von funktionierendenn Ü20-Anlagen unkompliziert und kostendeckend möglich gemacht werden sollte. 

ElektroG § 20 (1)

Laut ElektroG unterliegen Elektrogeräte einer sogenannten Abfallhierarchie und müssen vor dem Recycling grundsätzlich auf Funktionsfähigkeit überprüft werden, allerdings nur, wenn die Prüfung technisch und wirtschaftlich möglich ist. Wenn ein Gerät auf dieser Basis als Abfall eingestuft wird, ist es von der Pflicht zur Funktionsprüfung und anderen Wiederverwendungsanforderungen befreit. Händler, die kein Recyclingunternehmen sind, können gebrauchte Module einfach weiterverkaufen, da sie dem ElektroG nicht unterliegen.

4. Abbau der Anlage – was muss ich beachten?

Wer eine alte oder beschädigte PV-Anlage entsorgen möchte, muss die Anlage zunächst fachgerecht abbauen. Dafür wenden Sie sich am besten an einen lokalen Dachdecker. Je nach Standort der Anlage und Zustand des Daches muss hier mit Kosten von 100 – 250 € / kWp gerechnet werden. Daher kann es sinnvoll sein, ein Repowering direkt an den Abbau der alten Anlage anzuschließen, um Montagekosten zu sparen. Manchmal verbleiben Solaranlagen übrigens auch ohne Netzanschluss auf den Dächern, weil beim Abbau immer auch das Risiko von Schäden am Dach, insbesondere den Dachziegeln, existiert. Damit wird das Problem aber nur in die Zukunft geschoben. 

Die Abgabe der alten Module kann grundsätzlich problemlos in haushaltsüblichen Mengen bei dem jeweiligen lokalen Wertstoffhof erfolgen. Bei größeren gewerblichen Mengen ist der direkte Kontakt zum Recyclingunternehmen wie zum Beispiel Reiling aufzusuchen. Solarmodule unterliegen dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), sie gelten demnach als Elektronik-Altgeräte und müssen kostenfrei über Sammelstellen oder Hersteller zurückgenommen werden. Wenn Sie sicher gehen wollen, fragen Sie im Vorfeld beim zuständigen Wertstoffhof nach Annahmebedingungen und Gebühren. Sollten die Module physische Schäden aufweisen, ist Vorsicht geboten: Je nach Modulbauweise können schädliche Stoffe verbaut sein. Tragen Sie daher mindestens Schutzhandschuhe und vermeiden Sie, dass Modulteile in die Umwelt geraten oder wenden Sie sich direkt an einen Entsorgungsfachbetrieb. Die Module werden anschließend von speziellen Dienstleistern am Wertstoffhof abgeholt (z. B. PV-Cycle), die von den PV-Modulherstellern für diese Aufgabe finanziert werden. Die Module werden anschließend an spezialisierte PV-Recyclingunternehmen wie Reiling gebracht und weiterverarbeitet. Sollte Ihre Anlage noch funktionsfähig sein, können Sie auch versuchen, sie zu verschenken oder weiter zu verkaufen. Dafür gibt es zum Beispiel die Plattform Secondsol, aber auch kleinanzeigen.de klappt das mitunter ganz gut (siehe Infokasten).

Info:  Plattformen/Anlaufstellen für Gebrauchtmodule

  • Panelretter – Bieten geteste Module unter 10 Jahre zum 
    Verkauf an. www.panelretter.de
  • Secondsol – Hier können gebrauchte Module gekauft und 
    verkauft werden, auch Ü20-Module! www.secondsol.com
  • Bettersol – bieten Gebrauchtmodule ab 200 Wp zum Kauf 
    und Verkauf an (mind. 100 Module). www.better-sol.com
  • 2nd Life Solar – Ein Entsorgungsunternehmen, die Solar-
    module vor Entsorgung prüfen und weiterverkaufen!
    www.2ndlifesolar.de

6. Weitere Artikel zu Ü20 Anlagen