Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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23.10.2012, Walter Mielentz:

Das Märchen von den hohen Kosten

als zufriedener Besitzer einer PV-Anlage lese ich immer gern Ihre Rundmails und den Solarbrief im Internet. Wie Sie stört mich in letzter Zeit die regelrechte Hetze in Politik und Medien gegen die EE. Besonders die angeblich zu hohen Kosten werden immer wieder erwähnt.

Da man viele Menschen mit trockenen Fakten nicht erreichen kann, weil sie dann nicht zuhören, habe ich meine Meinung zu den "hohen" Kosten in Form eines Märchens dargelegt. Mit Fabeln, Märchen oder Gleichnissen erreicht man evtl. mehr Aufmerksamkeit, besonders, wenn sie mit etwas Humor gewürzt sind. Vielleicht interessiert Sie das Märchen von den hohen Kosten auch und Sie lesen es mit gewissem Schmunzeln.

Hier mein Kostenmärchen:

Es war einmal eine Zeit, da holten die Menschen das Wasser aus einem Brunnen und mussten es mühsam nach Hause schleppen. Auch war das Wasser oft schmutzig und man wurde krank davon. Da kamen welche auf die Idee, in jedes Haus und jede Wohnung eine Wasserleitung zu bauen mit frischem, sauberem Wasser. Da schrieen manche: "Das ist viel zu teuer, das rechnet sich nie!" Aber trotzdem wurde es gemacht, obwohl es wirklich sehr teuer war. Dafür hatten die Menschen nun aber sauberes Wasser und wurden nicht mehr krank davon.

Es gab auch einmal eine Zeit, da goss man alle Abwässer und den Müll einfach auf die Straße. Dort stank es fürchterlich und Ratten liefen darin herum. Deren Flöhe übertrugen die Pest, und viele Menschen starben daran. Da kamen welche auf die Idee, den Müll einzusammeln und ordentlich zu entsorgen. Die Abwässer sollten in Rohren gesammelt und in einer Kläranlage gereinigt werden, bevor sie in die Flüsse und Seen geleitet wurden. Und wieder riefen manche, das sei unbezahlbar. Es kostete tatsächlich sehr viel Geld, wurde aber trotzdem gemacht und alles wurde besser.

Es gab auch mal eine Zeit, da waren die Städte nur mit holprigen und schlammigen Feldwegen miteinander verbunden. Die hatten viele Pfützen und Schlaglöcher, und das Reisen mit der Postkutsche war sehr langsam
und beschwerlich. Da erfand jemand ein neues Verkehrsmittel, das rollte geschwind auf eisernen Schienen. Dadurch wurde es viel leichter zu verreisen und Waren zu befördern. Man baute zig-tausende km dieser Schienenwege, dazu noch Bahnhöfe, Tunnel, Brücken und Signalanlagen. Das alles war natürlich sauteuer, aber die Vorteile machten das wieder wett.
Später erfand man Wagen, die ohne Pferde fahren konnten, aber es gab noch keine befahrbaren Straßen dafür. Die musste man erst noch bauen. Im Laufe der Zeit entstand ein riesiges Straßen- und Autobahnnetz, das Unsummen kostete. Aber trotzdem hat man es gebaut wegen der Vorteile und Bequemlichkeit des Reisens und der Verteilung der Güter.

Es gab mal eine Zeit, da hatten die Leute nur Kienspäne und Kerzen zum Leuchten. Damit konnte man nur sehr schlecht arbeiten und lesen. Da machten andere Leute eine tolle Erfindung und nannten sie Elektrizität.
Damit konnte man schön Licht machen, Maschinen antreiben und vieles mehr. Man baute Fabriken, die den Strom erzeugten und legte Leitungen übers ganze Land und in jedes Haus und sogar in jedes Zimmer, damit
jeder die Vorteile der Elektrizität nutzen konnte. Auch das kostete unheimlich viel Geld, aber es wurde dennoch gemacht und alle hatten etwas davon.

Eines Tages erschien ein böser Mann mit einem Schnauzbärtchen. Der war so furchtbar böse, dass er einen Krieg vom Zaun brach. In diesem wurden ganz viele Bomben geworfen, die ganz viele Städte zerstörten und dazu noch die Bahnlinien mitsamt Bahnhöfen und Brücken. Auch Fabriken und Kirchen sanken in Trümmer und noch vieles mehr. Nach dem Krieg sahen die Menschen die furchtbaren Zerstörungen und weinten bitterlich. Sie jammerten und glaubten nicht, dass man das alles wieder aufbauen könne.
Aber dann fassten sie neuen Mut, spuckten in die Hände und bauten alles wieder auf, obwohl das natürlich auch wieder unheimlich viel Geld kostete.

Und schließlich gab und gibt es immer noch eine Zeit, da verbrannte man Kohle und zertrümmerte Atomkerne um Strom zu erzeugen, was aber viele Nachteile hatte. Man schädigte dadurch das Klima und erzeugte gefährliche Abfälle, von denen niemand wusste, wohin damit. Da kamen kluge Leute auf die Idee, Wind, Wasser und Sonne zu nutzen, damit man die alten schmutzigen Kraftwerke eines Tages nicht mehr brauchte. Da erhob sich seitens Teilen der Wirtschaft und Politik ein gewaltiges Geschrei: "Vieeeel zu teuer, unbezaaaaaahlbar, die Industrie geht pleite, wir verarmen total!" Aber man fing trotzdem mit der Umstellung an, obwohl es tatsächlich sehr teuer war, aber das waren die Fortschritte in der Vergangenheit schließlich auch. Und so wird hoffentlich aus der Energiewende ein modernes Märchen!

Und die Moral von der Geschicht: zu teuer, geht nicht, gibt es nicht. Es geht sehr viel, wenn man nur will!

Die oben genannten Beispiele ließen sich noch vermehren, z.B. Bau von Schulen, Universitäten, Krankenhäusern etc. Wären unsere Vorfahren immer so ängstlich und voller Bedenken wegen der Kosten gewesen, säßen wir heute noch in Lehmhütten.
Aber mein Märchen sollte nicht zu lang werden. Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit zum Lesen genommen haben und hoffe, es hat Sie zum Schmunzeln gebracht.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Mielentz



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