Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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01.09.1999, SFV:

Potentiale? Mögliche Beiträge von KV und Ökostromhandel im Vergleich

Auch ein kleiner Beitrag des Ökostromhandels zur Energiewende ist nicht zu verachten, wenn er zusätzlich(!) erbracht würde. Fatal allerdings wäre es, wenn der Ökostromhandel den viel größeren Beitrages verhindern würde, den die KV erbringen könnte. Lassen sich die Beiträge abschätzen? vF

Ich will keineswegs in Abrede stellen, daß durch den engagierten Einsatz vieler Idealisten ein leidlich funktionierender freier Handel mit Ökostrom entstehen kann. Doch bleiben wir realistisch. Würde dies nicht sogleich durch die Vertreter der Stromwirtschaft als Argument gegen die kostendeckende Einspeisevergütungen mißbraucht werden? Würde dieses Argument nicht von der Stromwirtschaft umso überzeugender vorgetragen, je besser der freie Handel funktioniert? Glauben wir wirklich, die Stromwirtschaft würde sich die Chance entgehen lassen, die Entscheidungsträger auf diese Weise einzulullen? Die grünen Tarife, die Gründung eigener Ökohandelsgesellschaften und Solarstrombörsen durch die Stromwirtschaft werden doch jetzt schon benutzt, um die Notwendigkeit einer KV abzuleugnen. Da es also um ein Entweder-Oder geht und da wir gezwungen sind, uns zwischen Ökostromhandel oder KV zu entscheiden, deshalb brauchen wir als Entscheidungsgrundlage einen möglichst objektiven Vergleich der Größenordnungen, die entweder die KV oder der Ökostromhandel zur Energiewende beisteuern können. Einen solchen Größenvergleich will ich hier unternehmen.

Im Auftrag der Europäischen Kommission haben 19 Wissenschaftler vom Wuppertal-Institut und anderen europäischen Instituten gemeinsam abgeschätzt, wie rasch und zu welchen Preisen die Energieversorgung Europas auf erneuerbare Energien umgestellt werden könne (Kurzauszug: Solarbrief 1/98, S.10). Dies ist die optimistischste Studie zum Thema Energiewende, die mir bekannt ist, und ich würde gerne ihr Ergebnis den weiteren Überlegungen zugrunde legen. Das Ergebnis der Studie (im Kasten rechts) in wenigen Worten zusammengefaßt: Mit einer Verdoppelung der Energiepreise ist die Energiewende im Zeitraum von 50 Jahren möglich. Vorausgesetzt wird natürlich, daß alle(!) Energieverbraucher die höheren Preise bezahlen. So weit die Studie. Nun wird zwar von einigen Optimisten behauptet, daß Ökostrom billiger sein könne als konventionell erzeugter Strom, und damit hätten wir die Energiewende bereits geschafft, doch teile ich diesen Optimismus - zumindest in Betrachtung der nächsten 20 Jahre - nicht. Die Gründe, warum das Ergebnis der Studie mehr einleuchtet, als der Optimismus der Wettbewerbsbefürworter, nenne ich auf Seite 13. Und für die folgende Abschätzung halte ich mich an das Ergebnis der Studie, d.h. ich gehe für den endgültigen Strommix aus erneuerbaren Energien von einer Verdoppelung der Energie- und der Strompreise aus.

Stellen wir uns also vor, die Energiewende würde nicht als Gemeinschaftsaufgabe begriffen, sondern dem freien Markt, genauer gesagt, den einsichtigen Idealisten überlassen. Diese müßten dann mit freiwilligen Mehrzahlungen alleine die Energiewende bezahlen. Dann muß jeder Idealist zusätzlich zu seinen Kosten und Mehrkosten auch noch die Mehrkosten übernehmen, die die Nicht-Idealisten nicht zahlen wollen. Nehmen wir für die weitere Abschätzung ferner an, der Anteil der Idealisten betrage 5 %. Mit mehr rechnen auch die grünen Stromhandelsgesellschaften kaum. Nach der ursprünglichen Studie wurde vorausgesetzt, daß alle mitmachen; dann müßte jeder nur den doppelten Energiepreis zahlen. Wenn allerdings nur 5 % mittragen, muß jeder die zwanzigfache Last übernehmen. Die Energiepreise würden sich für ihn oder sie verzwanzigfachen (wer dann wohl noch Idealist bleibt?). Oder aber wir müßten auf die Energiewende die zwanzigfache Zeit warten, nicht 50 Jahre, sondern 1000 Jahre!

Natürlich habe ich sehr stark vereinfacht, doch die Größenordnungen dürften stimmen. Es leuchtet somit ein, daß die grünen Stromhandelsgesellschaften mit allen Idealisten zusammen nur einen kleinen Beitrag erbringen können.

Nehmen wir dagegen eine Abschätzung des Beitrags vor, den die KV bringen könnte. Die Mehrkosten für die KV werden auf die Allgemeinheit der Stromkunden umgelegt; es gibt keine Ausnahme. Gemäß der oben erwähnten Studie müssen die Energiepreise in 50 Jahren auf das Doppelte steigen, das macht einen Preisanstieg von jährlich 1,5 %. Dieser Anstieg ist zumutbar und sozial verträglich. Mit KV kann somit die Energiewende im Strommarkt in 50 Jahren, anstatt in 1000 Jahren erreicht werden.

Ich fasse zusammen: Der Ökostromhandel alleine kann die Energiewende nicht erbringen, wohl aber die KV.

Im Leitartikel habe ich erläutert, daß der Einsatz der Umweltverbände für den Ökostromhandel die Einführung der KV unmöglich machen würde. Eines schließt das andere aus.

Wenn die Kameltreiber anfangen, in der Wüste nach Grundwasser zu graben, dann finden sie im günstigsten Fall etwas feuchten Sand (mehr ist der Ökostromhandel nicht wert). Doch die Karawane kann ihren Weg zur Oase mit den Wasserstellen (der KV) nicht fortsetzen. Es werden alle verdursten.



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