Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Meinungsdiktatur?

Neben einer Fülle zustimmender Telefonanrufe und Kurzbriefe zum Solarbrief 1/99 gab es auch Kritik an der Art der Diskussion. Wir fassen die wesentlichen Kritikpunkte zusammen und nehmen Stellung.

Man müsse sich um andere Lösungen als die KV bemühen, denn selbst Hermann Scheer oder Hans-Josef Fell sprächen offen davon, daß die KV auf Bundesebene nicht den Hauch einer Chance habe.

Der SFV solle sich vor dem Eindruck hüten, er würde die Befürworter anderer Instrumente als die KV lächerlich machen.

Der SFV versuche, eine Meinungsdiktatur zu etablieren. Beiträge mit anderen Meinungen würden entweder nicht gebracht, oder sie würden überflüssigerweise kommentiert.

Die Schönauer Energie-Initiativen und die Naturstrom AG würden gegenüber anderen Ökostromhandelsgesellschaften in der Berichterstattung bevorzugt.

Stellungnahme:

Wir beobachten seit Monaten mit Sorge, daß Befürworter der KV öffentlich über Alternativen nachdenken und damit den Eindruck erwecken, als seien diese ein nahezu gleichwertiger Ersatz für die KV, noch dazu mit dem Vorteil der leichteren Durchsetzbarkeit. Selbstverständlich diskutieren auch wir intern alle Möglichkeiten. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Zur KV gibt es keine Alternative. Alle anderen uns bekannten Modelle sind kompliziert - und sie sind ineffektiv! Dies war der Anlaß für uns, eine der vermeintlichen Alternativen, nämlich die Durchleitung von Ökostrom öffentlich unter die Lupe zu nehmen.

Daß wir die Durchleitung von Ökostrom für einen Irrweg halten, haben wir im Solarbrief 1/99 ausführlich begründet. Wer temperamentvoll mit guten Argumenten gegen eine andere Auffassung antritt, erweckt leicht den Eindruck, er wolle seine Meinungsgegner lächerlich machen. Das beabsichtigen wir jedoch nicht, und keinesfalls unterstellen wir den Meinungsgegnern böse Absichten. Es muß in einer Diskussion allerdings erlaubt sein, darauf hinzuweisen, daß bestimmtes Verhalten der Einführung der KV schadet und damit der Stromwirtschaft (unabsichtlich!) in die Hände spielt.

Daß wir Beiträge im Solarbrief kommentieren, ist keine „Unsitte", sondern hängt mit dem Charakter des Solarbriefs zusammen. Der Solarbrief ist kein liberales Blatt, das Meinungen kommentarlos nebeneinander stellt, sondern der Solarbrief bezieht Stellung. Er ist das Mitteilungsblatt des SFV. Bei den komplizierten Themen im Zusammenhang mit der Energiewende halten wir es für richtig, Hintergründe aufzuzeigen, Behauptungen zu erläutern oder richtigzustellen. Es bleibt jedem Leser freigestellt, wie er die Kommentare bewertet.

Die Vermutung, es würden Beiträge für den Solarbrief unterdrückt, ist unsinnig. Wer den Leitartikel im 1/99 noch einmal nachliest, wird die Ankündigung finden, daß auch in den folgenden Solarbriefen der Diskussion zum Thema Durchleitung Raum gegeben werden soll. Der 1/99 sollte die Diskussion eröffnen. Deshalb haben wir erst einmal unsere Auffassung dargestellt und erläutert. Nun sind die anderen dran.

Die Tatsache, daß die Naturstrom AG sowie die Schönauer im Solarbrief öfter erwähnt werden als andere Ökostromhandelsgesellschaften, liegt daran, daß wir die Konzepte der Naturstrom AG und der Watt Ihr Volt aus Schönau für die besten unter den Ökostromern halten, denn sie „schenken" den Netzbetreibern keine Durchleitungsgebühren.

 


 

MdB Hans-Josef Fell:

... In einem Schreiben werde ich zitiert, „daß die KV auf Bundesebene nicht den Hauch einer Chance habe." Ich distanziere mich von dieser angeblichen Äußerung und stelle fest, daß sie überhaupt nicht meiner Meinung entspricht...

Bonn, 3. April 1999

 

Prof. Dr. Ernst Schrimpff:

...Herzlichen Glückwunsch für die vielfältigen und informativen Artikel zur Durchleitung von Strom, die ich mit Interesse gelesen habe und deren Grundtenor (Durchleitung - ein Irrweg) von mir voll mitgetragen wird... Bemerkenswert finde ich sonst noch den Leserbrief von Arno Paulus (teile seine Einschätzung weitgehend) und den Beitrag von Ursula Sladek, die die Chancen für Ökostrom sehr gering, aber m. E. durchaus realistisch sieht.

Was bisher überhaupt keine Erwähnung fand, ist die Tatsache, daß Strom aus Erneuerbaren Energien gar keine großen Netze braucht: Regionale Stromnetze mit geringem interregionalen Verbund als Ausgleich würden völlig ausreichen, weil jede Region sich voll selbst mit heimischer Sonnen-, Wind-, Wasser- und Bioenergie versorgen kann. Der Unfug der Durchleitung von z.B. Windstrom aus Portugal oder Wasserkraftstrom aus Tschechien oder Italien, wie es die WRE Frankfurt vorsieht, ist grundsätzlich überflüssig und kann darüberhinaus schädlich sein. Die große Stärke der Sonnenenergien ist das dezentrale Prinzip mit geringen Netzanforderungen und daher geringsten Netzverlusten. Diese Stärke müssen wir unbedingt den fossilen und nuklearen Energien gegenüber ausspielen.

 

Peter Mühlenbrock und Harald Oelschlegel (Mitarbeiter des Nürnberger Energiewendebündnisses)

Die Kostendeckende Vergütung ist gut - alles andere außer NATAG ist schlecht, ein Irrweg und spielt der Stromwirtschaft in die Hände. Das ist die schlichte Botschaft des Solarbriefes 1/99. Neben richtigen Argumenten enthält der Solarbrief vor allem billige Polemik wie z.B. das fiktive „Verkaufsgespräch" und Ergebenheitsadressen (Naturstrom AG). Auf der anderen Seite fehlen einige wichtige Sachargumente und Widersprüche bei der NATAG (Ralf Bischof gegen die Durchleitung, Hr. Benik in seinen Vorträgen dafür) werden ignoriert. Auch die Frage, ob die NATAG (und andere) überhaupt Stromhandelsgesellschaften sind, da sie ja nicht Eigentümer des Stroms sind, wird nicht einmal gestellt geschweige denn beantwortet.

Die Angriffe auf den „Lieblingsfeind" Greenpeace, die mit mehr Polemik als Sachargumenten geführt werden, lassen auf eine tiefe Aversion (oder Neid?) mancher Autoren schließen, die wir weder nachvollziehen können noch die der Diskussion dienlich ist.

Daß bei den selbsternannten Vollversorgern NATAG & Co die Kunden weiterhin den vollen Strompreis an das Egal-EVU zahlen müssen und dann (ebenso wie der SFV) behaupten, das Durchleitungskonzept unterstütze im Gegensatz zu dem „effizienten" NATAG- Konzept das alte Netzmonopol, verdreht schlicht die Tatsachen.

Und während inhaltsleere Beiträge wie z.B. der von Arno Paulus, der sich in dunklem Geraune über die Berliner Szene ergeht, ohne auch nur ein einziges Faktum oder Namen zu nennen, kommentarlos (weil dem SFV passend?) abgedruckt werden, wird den Befürwortern der Durchleitung keine einzige Zeile eingeräumt.

Fazit: Mit dieser einseitigen, polemischen und zum Teil grob falschen Darstellung von energiepolitisch wichtigen Fragestellungen ist der SFV (-Solarbrief) für uns nicht mehr des Lesens wert. Wir haben deshalb unser Abo bzw. die Mitgliedschaft im SFV gekündigt.

 

Helmut Hardy:

Herzlichen Glückwunsch, selten habe ich einen so frischen, dynamischen Solarbrief in den Händen gehalten. Einerseits die Konzentration auf ein Thema, andererseits jede Menge Gastbeiträge. Eine solche Mischung wünsche ich mir häufiger, denn so kann ein Thema mal von mehreren Seiten aus beleuchtet werden und intensiv diskutiert werden.

 

Dr. Martin Creuzburg:

Ihr neuer Solarbrief hat bei mir volle Resonanz erzeugt.... Es ist jetzt wichtig, alle KV-Energien zu bündeln...

 

Gerhard Kreutz (Energie-Initiative Kirchberg):

Durchleitungsdiskussion gefährdet Einspeisevergütung

Angesichts der Diskussion um eine EU-weite Einspeisevergütung, die von den Energieversorgern derzeit massiv bekämpft wird, kann die „Durchleitung" von Öko-Strom nur Wasser auf die Mühlen derer sein, die den „reinen Markt" im Strombereich lieber heute als morgen in Kraft sähen.

Die Solarvereine und Umweltverbände sollten auf der Hut sein, denn auch diese Thematik könnte eine Spaltung und damit Schwächung der gemeinsamen Stoßrichtung bedeuten. Stattdessen muß klar formuliert und strategisch das angegangen werden, was die Erneuerbaren in der Breite voranbringt:

Die Fortschreibung der Einspeisevergütung mit Kostendeckungseffekt bei allen erneuerbaren Energien, wobei in den nächsten Jahren im Bereich der Windkraft eine Modifizierung nach regionalen Gesichtspunkten erforderlich werden könnte.

 

Stefan Salz:

Erstaunen machte sich bei mir breit, als ich den aktuellen Solarbrief zur Hand nahm und andererseits möchte ich mich bedanken für die Eröffnung der gedanklichen Alternativen und neuen Gesichtspunkte. Auch teile ich Ihre Bedenken, wie der sich gerade abzeichnende Weg wohl zu einem von uns heute gewünschten Ziel führen kann.

Andererseits bereiten mir einige Ihrer Bemerkungen Sorgen und Zweifel. Sie sprechen, wie schon lange, auch jetzt wieder von den „Freunden der erneuerbaren Energien"; ich beschäftige mich privat und beruflich seit über zehn Jahren mit Computern. Trotzdem bin ich kein „Freund der Computer" geworden. Vielmehr habe ich gelernt, daß dies auch nur eine Technik ist, ein Werkzeug. Manchmal begeistert mich dieses Werkzeug, manchmal deprimiert es mich. Aber ich habe keine persönliche Beziehung dazu. Diese ist nicht in sich ein Problem, aber ich halte es für wahrscheinlich, daß sie eine spezielle Wahrnehmung begünstigt und andere erschwert.

In dieser Diskussion - wie gesagt - teile ich Ihre Befürchtungen ob der Substantialität der Veränderungen durch den freien Stromhandel, und kann auch Ihren Abschätzungen der Größenordnungen folgen. Ich habe selbst in Bonn lange für die Einführung der KV gearbeitet.

Andererseits geht es hier um eine Einschätzung eines sehr dynamischen Geschehens, der Entwicklung unserer Gesellschaft. Und hier müssen - in unterschiedlichen Gewichtungen - zu allen Zeiten auch irrationale, nichtanalytische Faktoren einbezogen werden. Ich möchte damit keineswegs in mystische Spekulationen abgleiten, sondern vielmehr an „unternehmerisches Fingerspitzengefühl" und „wirtschaftliche Intuition" erinnern!

Die KV ist ein Großprojekt, kein Zweifel. Die lokalen, kommunalen Einführungen waren ein angemessener Rahmen - verzeihen Sie die Vergangenheitsform -aber die bundesweite Ebene zeigt die ganze Palette der Widerstände und Probleme auf, die die Umsetzung eines solchen generalstabsmäßigen Programms in dieser Größenordnung heraufbeschwört. Wieviele Menschen hätten tatsächlich Teil an der politischen Einführung des Großprojekts KV? Wieviele Menschen würden den Antrag im Bundestag formulieren? Ein Minister vielleicht. Aber der jetzt aufbrechende Strommarkt, die Liberalisierung entfaltet vielleicht eine viel größere Attraktivität für viel mehr Menschen, ihre persönliche Entscheidung zu treffen (nur einmal und nicht jeden Tag neu!) für ihre Stromversorgung. Und so könnte eine große Vielfalt an Lösungen und Kompromissen entstehen, regional differenziert, angepaßt und kundenspezifisch.

Nicht, daß auch bei bundesweiter KV jeder sich melden könnte für seine PV Anlage - dies aber auf dem bundeseinheitlichen Formular zur KV-Beantragung, mit fest geregelten Tarifen und so weiter. Und dann hätte er immer noch nicht seine persönliche Energiewende vollzogen! Er müßte vielmehr auf alle andere warten, gewissermaßen.

Mir ist bewußt, daß dies keine eindeutige Argumentationskette ist, ja sein kann. Denn ich meine, daß das dynamische Element, der psychologische Faktor in dieser Situation schwer einzuschätzen ist. Welche Abzweigung werden wir nehmen, welchen Weg verfolgen oder einfach geradeaus steuern? Dabei ist eins sicher: Diese Wahl wird nicht nur auf Grund von rationalen Argumenten fallen. Sondern vielmehr werden psychologische Faktoren und der Zeitgeist die Wahl mitgestalten.

Um in Ihrem Bild zu sprechen: Wenn alle Teilnehmer der Karawane anfangen, an einem beliebigen Platz nach Grundwasser zu suchen, dann sind doch die Chancen sehr hoch, daß vielleicht eine neue Quelle und eine neue Oase gefunden und gegründet wird?

Und dann wäre plötzlich auch ein neues Ziel auf der Karte zu finden, welches es früher nicht gab und an das noch keiner hatte denken können. Denn die Dinge ändern sich. Manchmal.


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