Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 24.03.2007, aktualisiert am 29.03.2007, Wolf von Fabeck:

Wirkungslosigkeit?

Wie die Energiewirtschaft das Vertrauen in die Erneuerbaren Energien untergräbt

Fossile und atomare Kraftwerke sind eine Quelle hoher Gewinne für ihre Betreiber. Diese Gewinne sind nur möglich durch die Privilegierung und Sonderrechte der Energiewirtschaft in vielen Gesetzen. Erinnert sei hier an die Enteignungsrechte zugunsten der Braunkohletagebaue und Stromtrassen oder an die weitgehende Befreiung von der Haftpflicht für Atomkraftwerke oder an die Haftungsbeschränkungen in der Netzanschlussverordnung bei Stromausfällen. Nicht vergessen werden sollte auch der Schutz der Versorgungswege für Erdgas und Erdöl im fernen Ausland durch Schiffe, Flugzeuge und Soldaten der Bundeswehr. So ist die konventionelle Energiewirtschaft in besonderem Maße auf die Fortdauer der politischen Unterstützung durch den Gesetzgeber angewiesen. Die politische Meinung zu der aufkommenden Konkurrenz durch Erneuerbare Energien kann ihr in einer Demokratie deshalb nicht gleichgültig sein.

Verständlich ist es deshalb, dass die Energiewirtschaft auf die Meinungsbildung zu den Erneuerbaren Energien massiv Einfluss nimmt. Dies soll hier beispielhaft bei drei Themenkomplexen angedeutet
werden.

  1. Fast überall sind die Argumente gegen die Solarstromerzeugung durch Photovoltaik bekannt und verbreitet. Wir im Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. begegnen ihnen immer wieder. Besonders verbreitet ist die unsinnige Behauptung, Solarmodule würden bei ihrer Herstellung mehr Energie verschlingen, als sie jemals wieder in ihrem 20 jährigen Leben liefern könnten. Auch als seriös geltende Zeitungen, wie die Frankfurter Allgemeine, werden immer wieder dazu gebracht, diese Behauptung zu wiederholen. Die Behauptung ist durch mehrere Studien eingehend widerlegt, zuletzt durch eine gemeinsame Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft mit dem Ökoinstitut im Auftrag der Hamburger Electricitätswerke (HEW).
  2. Die Windenergie wird als unsinnig dargestellt mit der Behauptung, es müsse ständig eine entsprechend große Menge an Kohlekraftwerken („Schattenkraftwerke“) unter Dampf gehalten werden für den Fall, dass der Wind plötzlich ausfällt. Auch diese Behauptung ist mehrfach widerlegt worden.
  3. Das wichtigste Argument der Energiewirtschaft aber ist die Behauptung, die Erneuerbaren Energien könnten niemals die Versorgungssicherheit gewährleisten und deshalb könne man nicht auf fossile oder nukleare Energie verzichten. Dieses Argument wird in allen möglichen Variationen schon seit Jahrzehnten ständig wiederholt. Hier als drastisches Beispiel die Gegenüberstellung zweier Potentialabschätzungen aus dem Jahr 1993.

  • 1993 wurde am Institut für Elektrowärme der Uni Hannover im Zusammenhang mit einer größeren Auftragsarbeit der Stadtwerke Aachen (STAWAG) eine Diplomarbeit betreut mit dem Titel „Möglicher Beitrag der Photovoltaik zur elektrischen Energieversorgung einer Stadt“. Diese Arbeit untersuchte verschiedene Szenarien einer Solarstromnutzung in der Stadt Aachen. Das progressivste Szenario unter Einschluss von Energiespeichern für Tag-Nacht-Speicherung ergab eine Deckung des jährlichen Strombedarfs einschließlich des gewerblichen und industriellen Bedarfs zu 65 % allein durch Solarstrom. Diese Arbeit wird unter Verschluss gehalten. Der Ersteller der Studie musste sich zum Stillschweigen verpflichten. Auf Anfragen erhält man eine offizielle Version, d.h. eine „angebliche Zusammenfassung“ der Studie durch das Institut für Elektrowärme, in der das progressive Szenario nicht einmal mehr erwähnt ist.
  • Im gleichen Jahr 1993 erschien eine große Werbeanzeige der Stromwirtschaft: „Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 Prozent unseres Strombedarfs decken“ Die damals frisch ernannte Umweltministerin Angela Merkel wiederholte diesen Satz sogar wörtlich bei einem ihrer ersten öffentlichen Statements. 4 Prozent für Sonne plus Wasser plus Wind wurde der Öffentlichkeit vermittelt. 65 Prozent allein für die Sonnenenergie war das Ergebnis der Studie!

So wird das Potential der Erneuerbaren Energien seit Jahrzehnten systematisch kleingeredet. Anderslautende Stimmen wurden zum Schweigen gebracht. Die Folge: Selbst in der Umweltbewegung ist die Möglichkeit eines Umstiegs auf 100% Erneuerbare Energien nur wenigen Experten bekannt.

Woher aber soll guter Rat kommen? Medien und Politiker sind auf Berater angewiesen. Fachleute für Energiefragen sind zumeist in der Energiewirtschaft beschäftigt oder in Forschungsinstituten, die Aufträge der Energiewirtschaft bearbeiten. Sie werden keinen Rat geben, der die Gewinnaussichten ihrer Geldgeber schmälern könnte. Den besorgten Bürgern aber, von denen nun solide Vorschläge kommen müssten, fehlen die Informationen über die Möglichkeiten einer konsequenten Energiewende.

Es genügt deshalb nun nicht mehr, nur GEGEN atomare und fossile Energieversorgung zu sein. Wir müssen deutlich sagen, WOFÜR wir sind - das bedeutet, wir müssen uns erst einmal selbst informieren. Hier gilt es dicke Bretter zu bohren. Entscheidend ist, dass wir die Öffentlichkeit von der Möglichkeit einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien wirklich überzeugen. Dafür gibt Dr. Eberhard Waffenschmidt mit einem Vortragsangebot Hilfestellung. Arbeiten wir also weiter an der Durchsetzung des neuen Paradigmas: „Eine Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ist möglich“. Das Thema darf nicht mehr in der Versenkung verschwinden. Sprechen Sie es bei jeder Gelegenheit an. Wenn Ihnen die Argumente fehlen, verweisen Sie auf den Internetbeitrag von Eberhard Waffenschmidt.



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